Zucker: WHO empfiehlt maximal sechs Teelöffel pro Tag

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Nur noch fünf statt zehn Prozent

Nur noch etwa 25 Gramm Zucker täglich – das entspricht etwa sechs Teelöffel Zucker – mehr sollten es laut WHO nicht sein, wenn man gesund leben will. Mit dieser am 4. März 2015 in Genf veröffentlichten neuen Zucker-Richtlinie hofft die Weltgesundheitsorganisation, die global zunehmenden Probleme durch Übergewicht eindämmen zu können. Insbesondere warnen die Experten vor verstecktem Zucker aus Cola, Ketchup, Tiefkühl-Pizza oder anderen verarbeiteten Lebensmitteln. Doch die neue Empfehlung stößt auf Kritik.

Die WHO hat den Richtwert für Zucker halbiert
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt nur noch fünf statt zehn Prozent der Energie in Form von Haushaltszucker aufzunehmen. © dpa, Jens Kalaene

Zwar hebt die WHO ihre bisherige Obergrenze der Zucker-Schädlichkeit durch verarbeitete Lebensmittel von zehn Prozent (das entspricht etwa 50 Gramm Zucker) der täglich konsumierten Kalorien pro Person nicht auf. Jedoch empfiehlt sie nun, diese möglichst auf fünf Prozent zu senken. „Das Risiko von Übergewicht, Fettsucht und Karies wird reduziert, wenn die Zuckereinnahme unter 10 Prozent liegt“, sagte WHO-Experte Francesco Branca.

Die WHO-Richtlinie bezieht sich nicht auf den natürlichen, in frischem Obst oder in Milch (Milchzucker) vorkommenden Zucker. Es gebe keine Beweise, dass dieser schädlich wäre. Verarbeitete Lebensmittel hingegen sind laut WHO oft ‚Zuckerbomben‘: In einer Dose mit gesüßter Limonade könnten allein schon 40 Gramm Zucker stecken, warnen die Experten. Und schon ein Esslöffel Ketchup enthalte oft einen Teelöffel Zucker.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat sich bereits vorab zu den neuen Richtwerten der WHO kritisch geäußert. So sei es nicht bewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Zuckerzufuhr und Übergewicht gibt. Nur die Reduktion von zuckergesüßten Getränken könnte das Risiko senken. „Dass es einen Zusammenhang zwischen der Menge und der Häufigkeit der Zufuhr von freien Zuckern und der Entstehung von Karies gibt, ist belegt", kommentiert die DGE den neuen WHO-Richtwert. Sie vermisst darin jedoch den wichtigen Aspekt der Häufigkeit des Zuckerkonsums in Bezug auf die Entstehung von Karies. Außerdem kritisiert die DGE dabei die „Fokussierung allein auf Zucker“. Neben Ernährung spiele etwa auch die Zahnhygiene und die Versorgung mit Fluorid eine wichtige Rolle.

Wenig verwunderlich ist, dass der neue Zucker-Richtwert auch bei der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ) für Kopfschütteln sorgt: Die Argumentation, mit dieser Maßnahme Adipositas und Karies – gerade in den Schwellenländern – bekämpfen zu können, sei nicht stichhaltig. "Wer Zucker durch andere Zutaten ersetzen will, der verkennt, dass weniger Zucker nicht automatisch weniger Kalorien bedeutet", erklärt Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der WVZ.

Über die Maßnahme der WHO wird also heftig diskutiert. Unbestritten ist jedoch, dass purer Zucker ‚leere‘ – pro Gramm vier – Kalorien liefert und in vielen Lebensmitteln enthalten ist, in denen er gar nicht vermutet wird. Oft sind es auch Produkte wie zum Beispiel Tiefkühlpizza, die neben Zucker auch viel Fett und Salz enthalten. Solche verarbeiteten Lebensmittel seltener zu essen, ist daher durchaus sinnvoll – ebenso wie puren Zucker oder Süßigkeiten. Ob es nun 25 oder 50 Gramm sein sollen – darüber ist das letzte Wort vermutlich noch nicht gesprochen. Weder die eine noch die andere Empfehlung wird in Deutschland derzeit erreicht. In den Jahren 2012 und 2013 lag der Pro-Kopf-Konsum von Zucker bei 32 Kilo pro Jahr*. Das entspricht 88 Gramm pro Tag. Und damit liegen die Deutschen deutlich über den beiden Empfehlungen der WHO.

Quelle: dpa. *statista.com

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