Naschformel erklärt Kontrollverlust bei Chips und Schokolade

Junge Frau steht in der Küche und beißt in eine Tafel Bitterschokolade. Auf der Küchenzeile steht eine Schüssel mit Kartoffelchips.
Kann die "Naschformel" der Lebensmittelchemiker der Universität Erlangen-Nürnberg erklären, warum es beim Genuss von Schokolade oder Chips zu einer Art Kontrollverlust kommen kann? © iStockphoto, DenizA

Zusammensetzung von Chips und Co. sorgt für Lust auf mehr

Wer öfter mal eine Tüte Chips aufreißt oder eine Tafel Schokolade anbricht, weiß: Es ist schwierig, diese nicht bis auf den letzten Krümel zu leeren beziehungsweise komplett zu verputzen. Aber woran liegt es, dass wir gefühlt einfach immer weiter essen müssen? Lebensmittelchemiker der Universität Erlangen-Nürnberg haben das Geheimnis gelüftet – die Naschformel erklärt, was Lebensmittel unwiderstehlich macht und bei uns zu einer Art Kontrollverlust führt.

Wissenschaftler sprechen von „hedonischer Hyperphagie“, wenn man beim Essen von süßen oder herzhaften Knabbereien einfach nicht mehr aufhören kann zu essen. Doch woran liegt es, dass es nicht nur einem selbst so geht, sondern scheinbar viele Menschen diesen Effekt kennen? Genau dieser Frage sind Lebensmittelchemiker der Universität Erlangen-Nürnberg nachgegangen. „Uns hat interessiert, welche molekularen Bestandteile der Lebensmittel dazu führen, dass man sie über die Sättigung hinaus aufnimmt“, fasst Lebensmittelchemiker Tobias Hoch von der Universität Erlangen-Nürnberg das Ziel der Studie zusammen.

Das Geheimnis: 50 Prozent Kohlenhydrate, 35 Prozent Fett

Junge Frau sitzt vor dem Laptop und greift nach Chips in einer Schüssel auf ihrem Schreibtisch
Zur Hälfte aus Kohlenhydrate und zu einem Drittel aus Fett? Deshalb könnte der Genuss von Chips so schwer zu kontrollieren sein. © iStockphoto, Tanchess

An Ratten haben die Forscher untersucht, welche Lebensmittelzusammensetzung die Tiere dazu verleitet, über den Hunger hinaus zu essen. Das Ergebnis: Wenn das Futter zu etwa 50 Prozent aus Kohlenhydraten und 35 Prozent aus Fett bestand, aßen die Tiere ein Drittel mehr als sonst. Die Forscher gehen davon aus, dass sich diese Formel auf den Menschen übertragen lässt.

Monika Pischetsrieder, Professorin am Lehrstuhl für Lebensmittelchemie an der Uni Erlangen-Nürnberg, spricht von der sogenannten „Naschformel“. Bestehen Lebensmittel zur Hälfte aus Kohlenhydrate und zu einem Drittel aus Fett, ist es schwer, die Essensaufnahme zu kontrollieren oder gar zu stoppen. Die Forscher gehen davon aus, dass diese Vorliebe evolutionär bedingt ist: Kohlenhydrate liefern schnell verfügbare Energie, Fett hingegen liefert längerfristig verfügbare Energie. In Zeiten der Jäger und Sammler waren die Menschen auf solche Lebensmittel angewiesen, die schnell und viel Energie liefern. Zu den Lebensmitteln mit dieser Nährstoffzusammensetzung zählen Schokolade, Chips und Flips. Heute bleibt uns wohl nur die Wahl zwischen ganz oder gar nicht – es sei denn, Disziplin ist Ihre größte Stärke.

Empfehlung

Rezept der Woche

Kalbsfilet mit oder ohne Käsehaube

Kalbsfilet mit oder ohne Käsehaube

Benutzerbild von cockingcool
Rezept von cockingcool
vom 09.06.2021
20 Min
mittel-schwer
günstig
(12)