Misophonie: Wenn Kauen, Schmatzen und Schlucken Hass-Geräusche sind

Pisophonie kann soziales Leben schwierig machen
Essen, kauen, schlucken - das verursacht Geräusche, die bei Misophonie unerträglich sind. © dpa, Daniel Bockwoldt, dbo kde lof

Neue Studie zu Misophonie veröffentlicht

Bestimmte Geräusche lassen jeden, der sie hört, zusammenzucken. Wer an Misophonie leidet, empfindet jedoch vermeintlich gewöhnliche Geräusche als schmerzhaft schlimm: Der Partner kaut, schmatzt oder schluckt. Geräusche, die viele kaum wahrnehmen, bedeuten für Misophonie-Betroffene großes Leid. Sie reagieren aggressiv oder spüren den starken Drang zu fliehen.

Misophonie: Was ist das?

Misophonie bedeutet übersetzt so viel wie Hass-Geräusch. Misophonie oder auch selektive Geräuschintoleranz charakterisiert sich durch eine starke Abneigung gegen bestimmte Geräusche. Sie ist eine neurologische Störung, die erst seit den 1990ern als Krankheit angesehen wird. Die Art der Geräusche, die zu einer Reaktion bei einem Betroffenen führt, kann speziell sein, sich aber auch auf jegliche Art von Lauten und sogar Bewegungen, Berührungen oder Gerüche erstrecken.

Misophonie-Leidende wissen oftmals nicht, wie ihr besonderes Geräusch-Empfinden benannt werden kann. Doch wer zum Arzt geht und erklärt, er platze vor Wut, wenn der Partner beim Essen schmatzt, erhält dafür fast nie eine medizinische Diagnose - eher ein mitleidiges Lachen.

Oft tritt Misophonie erstmals in der späten Kindheit oder Pubertät auf. Die Krankheit fängt meist mit einem bestimmten Trigger-Geräusch an und weitet sich dann nach und nach auf weitere Geräusche aus.

Häufige Hass-Geräusche von Misophonie-Betroffenen:

  • Kauen
  • Schnarchen
  • Räuspern
  • Fingertrommeln
  • Fußwippen
  • Niesen/ Husten
  • Atemgeräusche
  • Tropfender Wasserhahn
  • Heizkörper-Geräusche
  • Waschmaschinen und Trockner
  • Pfeifen etc.

Was passiert im Körper, wenn ein Stör-Geräusch auftritt?

Misophonie-Patienten reagieren oft mit großer Anspannung und Aggressivität oder gar Panik auf die Geräusche, die sie triggern. In vielen Fällen steigt der Puls des Betroffenen und der Atem wird flacher. Auch Schweißausbrüche und eine sehr niedrige Reizschwelle sind Zeichen für Misophonie.

Eine Folge von Misophonie kann sein, dass Betroffene sich immer mehr zurückziehen und den Kontakt zu anderen Menschen meiden, um so den verhassten Geräuschen aus dem Weg zu gehen.

So wird Misophonie behandelt

Es gibt nur wenige Spezialisten, die sich mit Misophonie wirklich auskennen. Wenn Sie also die Vermutung haben unter Misophonie zu leiden, sollten Sie Ihren Arzt um Rat bitten und sich gegebenenfalls zu einem Spezialisten überweisen lassen.

Bisher gibt es noch keine medikamentöse Behandlung gegen Misophonie. Daher wird Betroffenen dazu geraten sich in eine Therapie zu begeben, um mit den auftretenden Symptomen besser umgehen zu können.

Auch Atem- oder Konzentrationsübungen können dazu beitragen unangenehme Geräusche besser ignorieren zu können.

Carmelina leidet an Misophonie
Carmelina leidet an Misophonie Überempfindlichkeit gegenüber Kau-Geräuschen 00:03:32
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Anomalien in Gehirnströmen nachgewiesen

Forschern der Universität Newcastle ist es in einer Studie, Misophonie durch Messung der Gehirnströme und anhand körperlicher Reaktionen nachzuweisen. Gesunde Menschen reagierten in der Studie deutlich auf bekannt unangenehme Geräusche. Bei Alltags- und Essensgeräuschen war bei ihnen keine messbare Reaktion festzustellen. Wer unter Misophonie litt, reagierte jedoch auf Schmatzgeräusche deutlich: Die Herzfrequenz erhöhte sich und die Studienteilnehmer begannen zu schwitzen. Die Forscher konnten messen, dass die Geräusche in den Gehirnregionen für Geräuschwahrnehmung und Emotionen außergewöhnlich starke Reaktionen hervorriefen.

"Es ist ein Mysterium. Wie Misophonie entsteht und wovon es abhängt, wissen wir nicht", sagt Sukhbinder Kumar, Leiter der Studie, gegenüber 'CNN'. Die Forscher wollen nun der Frage nachgehen, ob Misophonie genetisch vererbt wird oder durch (Kindheits-)Erfahrungen entsteht. Auch wie häufig das Phänomen auftritt, ist nicht bekannt.

Weitere psychische Krankheiten, die mit Geräusch-Empfindlichkeit einhergehen

Phonophobie

Bei Phonophobie handelt es sich anders als bei Misophobie nicht um eine Abneigung, sondern um eine Angst vor Geräuschen und ist somit eine Angststörung. Es ist normal, dass sich Menschen bei einem lauten Geräusch erschrecken, wenn es auftritt. Jemand, der unter Phonophobie leidet, hat jedoch konstant Angst vor möglichen lauten Geräuschen. Der Knall oder die laute Musik muss also nicht auftreten, um Angst beim Betroffenen auszulösen.

Hyperakusis

Hyperakusis ist eine Abneigung gegen laute Geräusche, die von nicht Betroffenen als nicht schlimm wahrgenommen werden. So zum Beispiel das Geräusch eines Staubsaugers, das Klingeln eines Telefons oder der Schleudergang einer Waschmaschine. Während bei Misophonie Trigger-Geräusche für das Unwohlsein des Patienten sorgen, sind es bei Hyperakusis sämtliche Geräusche des Alltags, die beim Betroffenen Symptome auslösen können. Symptome sind zum Beispiel Angst, Panik und Frustration.

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