Jahrespressekonferenz 2022 „Lebensmittelsicherheit in Deutschland“

Experten finden Stec-Bakterien in Hackfleisch und Salaten

Stec-Bakterien in Rinderhackfleisch entdeckt
Gesundheitsschädliche Stec-Bakterien in Rinderhackfleisch entdeckt © picture-alliance/ dpa, Felix Heyder

von Marylin Müller

Auf der Jahrespressekonferenz 2022 „Lebensmittelsicherheit in Deutschland“ haben drei Experten die Ergebnisse aktueller Lebensmittelprüfungen vorgestellt. Hauptthema waren die krank machenden Stec-Bakterien, die sowohl in Rinderhackfleisch, als auch in fertig abgepackten Salaten zu finden waren. Die Experten erklärten, welche Risiken und Gefahren das birgt – und worauf Verbraucher achten sollten.

Gefundene Bakterien rufen akute Darmentzündungen hervor

Abwehrgeschwächte Personen wie Schwangere, ältere Menschen und Kinder sollten aufpassen: In aktuellen Untersuchungen der amtlichen Lebensmittelüberwachung wurden Stec-Bakterien in Rinderhackfleisch entdeckt. „Diese Bakterien rufen bei Menschen akute Darmentzündungen hervor, teilweise mit schwerem Verlauf“, sagt Friedel Cramer, Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), in einer Pressekonferenz. Vor allem bei Kindern können die Folgen schwerwiegend sein: „Es kann zu einer Nierenfunktionsstörung kommen.“ Doch nicht nur die Hackfleisch-Untersuchungen ergaben erschreckende Ergebnisse. Insgesamt wurden 712.000 amtliche Kontrollen durchgeführt

Experte empfiehlt: Kein rohes Hackfleisch essen!

Neben Stec-Bakterien wurden in den untersuchten Hackfleisch-Produkten auch Listerien gefunden. Eine Infektion mit diesen Lebensmittelkeimen verläuft für gesunde Menschen meist mild oder symptomlos. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann die „Listeriose“ aber sogar lebensbedrohlich sein. Eine Behandlung mit Antibiotika ist erforderlich.

Aber wie kommen Stec-Bakterien und Listerien überhaupt ins Hackfleisch? Cramer erklärte, dass eine „unsachgemäße Handhabung im Verarbeitungsprozess“ Grund dafür sei. Die Unternehmen müssten verstärkt auf Hygienemaßnahmen achten.

Wichtig zu wissen sei auch, dass Hackfleisch grundsätzlich nicht roh zu verzehren sei, sondern nur gut erhitzt, erst dann würden die Keime absterben. Des Weiteren sollten Kundinnen und Kunden darauf achten, dass sie frisches Hackfleisch aus der Kühltheke kaufen.

Vorsicht auch bei fertigen Backmischungen

Auch 10 Prozent der Fertigteige oder Backmischungen seien mit Stec-Bakterien kontaminiert. Auch hier gälte also die „dringende Schlussfolgerung“, dass der Teig „erst nach Erhitzung verzehrfertig ist“. Naschen des Plätzchenteiges solle man vermeiden, so Prof. Dr. Michael Kühne vom Niedersächsichen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Lese-Tipp: Keinen rohen Teig naschen!

Fertigsalate: „Die Hälfte der Produkte ist mit Keimen kontaminiert“ 

schnittsalat Tütensalat abgepackter Salat
Auch bei abgepackten Salaten ist Vorsicht geboten: Die Experten fanden Listerien. © University of Leicester

Auch bei abgepackten Salaten ist Vorsicht geboten, denn in der Hälfte der getesteten Produkte wurden krankheitsauslösende Keime, unter anderem Listerien, gefunden. „Die Keime, die sich auf der Oberfläche des Salats befinden, verteilen sich durch das Zerschneiden im Salat und können sich durch das feuchte Mileu in der Verpackung besonders gut verbreiten“, so Kühne.

Er warnt außerdem, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum oft nicht mit der tatsächlichen Haltbarkeit übereinstimme: „Finger weg von dem Produkt, wenn Sie feststellen, dass bräunliche Stellen im Salat sind.“ Seiner Meinung nach, sei der Bedarf an fertig abgepackten Salaten, in den letzten Jahren gestiegen. Der Kunde möchte es „schnell und verzehrfertig“ haben. Allerdings sei seiner Meinung nach der uneingepackte Salat „die bessere und gesündere Alternative“.

Acrylamid-Chemikalie in Gemüsechips und Co. erhöht Krebsrisiko

Ein weiterer Schadstoff soll laut BVL besonders im Auge behalten werden: Die Chemikalie „Acrylamid“, die aus der Kunststoffindustrie bekannt ist, wurde in 75 Prozent der untersuchten Produkte gefunden. „Besonders auffällig waren Gemüsechips“, sagt Dr. Georg Schreiber, Leiter Abteilung Lebensmittelsicherheit des BVL. Dass dieser Stoff in Lebensmitteln wie Chips, Kartoffelpuffern, Pommes, Knäckebrot und so weiter zu finden ist, sei nichts Neues.

Allerdings gehe es darum, dass die Richtwerte nicht überschritten werden sollen, denn Acrylamid erhöht nachweislich das Krebsrisiko. Vor allem Kinder können Acrylamid schneller aufnehmen. Daher sei besonders wichtig, dass die „Behörden mehr Lebensmittel untersuchen“ und die Hersteller „sich mit der Minimierung von Acrylamid beschäftigen“.

Lese-Tipp: Giftiges Arsen in Reiswaffeln

Bei akut gesundheitsschädlichen Produkten gibt es öffentliche Warnmeldung

Grundsätzlich mögen diese Ergebnisse erst einmal erschreckend wirken – doch heißt das nicht gleich, dass Verbraucher und Verbraucherinnen kein Hackfleisch oder abgepackten Salat mehr essen dürfen. „Die Produkte gelten noch nicht als unmittelbar schädlich“, denn die gesundheitsschädlichen Keime können beim „Hackfleisch durch Erhitzung und bei abgepacktem Salat durch Säuberung komplett beseitigt werden“.

Dennoch möchte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sensibilisieren: „Durch den technischen Fortschritt ist es uns möglich, geringste Verunreinigungen zu entdecken und somit für einen erhöhten Gesundheitsschutz zu sorgen“, so Cramer. Wer ganz sichergehen möchte, ob das gekaufte Produkt mit Keimen kontaminiert ist, kann sich auf der Seite lebensmittelwarnungen.de schlaumachen. Wenn ein Produkt akut gesundheitsschädlich ist, dann „wird eine Warnmeldung“ ausgesprochen.

Empfehlung

Rezept der Woche

Ziegenkäse Tartelettes

Ziegenkäse Tartelettes

Benutzerbild von Sheeva1960
Rezept von Sheeva1960
vom 29.01.2023
20 Min
mittel-schwer
günstig
(5)