Kinderärzte fordern Zuckersteuer auf süße Limonaden

Vorsicht vor zuckerhaltigen Getränken
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Die Einnahmen könnten in Schutzprogramme gegen Diabetes fließen

So lecker, so süß und so gefährlich: Softdrinks sind bei Kindern sehr beliebt. Und auch viele Eltern greifen selbst häufig zu zuckerhaltigen Limonaden. Hinzu kommt, dass auch Schulkioske Cola & Co. im Angebot haben. Experten schlagen Alarm, denn zu viel Zucker kann Kinder nicht nur dick machen, sondern auch zur Entstehung von Diabetes beitragen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert nun eine Zuckersteuer in Deutschland auf Limonaden und Softdrinks.

"Anders geht es nicht!"

Die Verbraucherschützer von Foodwatch empfahlen bereits, 20 bis 30 Cent pro Liter Süßgetränk zu erheben. Dieser Forderung schließt sich der Verband an. "Solch eine Abgabe ist unumgänglich. Anders geht es nicht", so Präsident Thomas Fischbach bei einem Kongress mit rund 300 Teilnehmern im hessischen Bad Orb.

Die Einnahmen - mutmaßlich eine Milliarde Euro - könnten in Schutzprogramme gegen Diabetes fließen. Und das wäre mehr als sinnvoll, denn Ernährungsexperten warnen vor zuckerhaltigen Getränken. Sie sehen darin den Hauptgrund dafür, dass immer mehr Kinder an Diabetes erkranken. "Allein auf Freiwilligkeit und Vernunft zu setzen, fruchtet nicht", sagte Fischbach.

Der Verband kritisiert, dass Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) nur auf Verbraucher-Information, Transparenz und Ernährungsbildung setze. Das Wohl der Nahrungsmittelindustrie sei der Politik offensichtlich wichtiger als die Gesundheit der Kinder.

Zuckersteuer auch in Frankreich und Großbritannien

Deutschland wäre nicht das erste Land, das so eine Steuer einführt. In Frankreich gilt seit 2012 eine Zusatzsteuer von sieben Cent pro Liter.

Und auch Großbritannien will 2018 eine Abgabe einführen, um stark gesüßte Getränke unattraktiv zu machen. Die Abgabe soll umgerechnet rund 660 Millionen Euro einbringen, die wiederum in die Förderung von Grundschulsport fließen sollen. Die neue Steuer soll zwei Stufen haben: Eine für Getränke ab fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter, eine für mehr als acht Gramm. Reine Fruchtsäfte, Getränke auf Milchbasis und sehr kleine Unternehmen sind ausgenommen. Eine Frist von zwei Jahren bis zum Inkrafttreten der Regelung gibt Unternehmen Zeit, den Zuckergehalt von Produkten zu senken.

Starkoch Jamie Oliver, der sich für Ernährungs-Unterricht und gesundes Schulessen stark macht, lobte den Vorstoß der Regierung als "großartige Neuigkeit" und schrieb im Sozialen Netzwerk Instagram: "Ein bedeutender Schritt, der um die ganze Welt gehen wird." Oliver hatte im Parlament vor Abgeordneten für die Steuer geworben.


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