Koch-Sepps Küchen-Eck-Gedanken II

Heidnisches Backwerk, viele Braten und ein G e b e t

Heidnisches Backwerk, viele Braten und ein G e b e t

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Das Backwerk in der Zeit der Küchenweihnacht hat eine lange Tradition, auch wenn die Stollen-Gebildbrote in Tier- und Menschenform (es gibt auch Brezeln, Zöpfe und Hörnchen) Papst und Kirche zunächst als abergläubische Teigbilder aus heidnischer Zeit galten. Sie wurden aber dann unter religiöser Aufsicht zu Kirchenheiligen umgebacken.
So ist der aus der Schweiz stammende Grittibänz ein Nikolausgebäck und stellt den Knecht Ruprecht dar. Er wurde durch wandernde Bäckergesellen verbreitet und dann durch die aufkommende Schokoladenindustrie aus der Mode gebracht. Und als man Glanzbilder des Nikolaus auf Lebkuchen klebte, entstand daraus der Weihnachtsmann mit Sack und Rute …
Kipfel und Hörnchen stellen die Dämonen-abwehrende Mondsichel dar oder auch die zweispitzigen Hörner gegen den bösen Blick. Dass sie nach der Befreiung Wiens von den Türken 1883 erfunden sein sollen, um den islamischen Halbgott zu parodieren, ist der weihnachtlichen Erfindungsgabe eines geschäftstüchtigen Konditors zuzuschreiben.
Der Christ- oder Weihnachtsstollen ist ganz allgemein ein brotähnlicher Kuchen, der – dick mit Puderzucker bedeckt – an das in Windeln gewickelte Christkind erinnern soll. Der meist schwere Hefe(Quark)-Teig besteht hauptsächlich aus viel Butter, Milch, Mehl, Ei, Gewürzen (Kardamom, Zimt) und Einlagen (Rosinen, Orangeat, Zitronat, Mandeln). Und das seit alters her …
Zum Festtagsbraten in der Weihnachtszeit gehören in meiner "alten" Heimat von Zell on Mehls „richtige“ Thüringer Klöße, gefüllt mit gerösteten Weckbröckle. Dazu gibt es meist traditionell einen Gänsebraten. Denn: Eine Gans, die sich nicht wehrt, landet im Elektroherd! – Aber auch Schweinebraten, Rinderrouladen, Pute, Ente und Wild werden nicht verachtet mit all den köstlichen Gemüsebeilagen.
Aber Hülsenfrüchte vermitteln Ausschlag, dagegen verheißen Linsen viel Geld. Und wer Kraut isst, dem graut es! In Südthüringen dann mitunter vor den Herrschekloase. Einst und teilweise noch heute, als wilde Männer verkleidet, lange Bärte oder Tiermasken tragend, knallen sie mit Peitschen, rasseln mit Ketten und klingeln ohrenbetäubend mit Schellen. Meistens in Stroh gehüllt, jagen sie nicht nur Kindern in den Dämmerstunden reichlich viel Angst ein. Deshalb beten diese noch immer:
Oh, du lieber frommer Gott, jö die Herrschekloase fort.
Jö sie in die Grube nei, dass sie störze Haals un Bei‘!
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