Sind Fleisch, Milch und Eier genauso ungesund wie Rauchen?

Krebsrisiko um das Vierfache erhöht
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US-Forscher behaupten: Verzehr von tierischem Eiweiß erhöht Krebsrisiko

Milch, Eier und Fleisch sind genauso schädlich wie Rauchen! Das behaupten Wissenschaftler des Longevity Instituts an der University of Southern California in einer neu veröffentlichten Studie. Bei Menschen, die viele eiweißreiche Lebensmittel essen, steigt demnach das Risiko, an Diabetes oder Krebs zu erkranken, um das Vierfache. Dies sei vergleichbar mit dem Risiko von Rauchern, an Krebs zu erkranken. Müssen wir Fleisch, Eier und Co. nun von unserer Einkaufsliste streichen?

Gehören Sie auch zu den Menschen, bei denen zum Frühstück Kaffee mit Milch, Brötchen und Ei auf den Tisch kommen? Wenn es dann in der Kantine oder Mittagspause auch noch Currywurst, Schnitzel oder sonstiges Fleisch gibt, leben sie gefährlich. Das zumindest behaupten kalifornische Forscher. Im Rahmen einer Studie sind sie nämlich zu dem Schluss gekommen, dass Menschen, die vor allem im mittleren Alter viele eiweißreiche Lebensmittel essen, anfälliger für Krebs und auch Diabetes sind. Viel Eiweiß bedeutet in dem Zusammenhang übrigens, dass man mehr als 20 Prozent des täglichen Energiebedarfs durch Eiweiß deckt. Bei Menschen, die erst im Alter von 65 Jahren und später den Anteil tierischer Eiweiße in ihrer Ernährung erhöhen, ergibt sich nach Auswertung der Studie ein gegenteiliger Effekt: Bei diesen senkt der regelmäßige Eiweißkonsum das Risiko, an den Folgen von Krebs zu sterben, um 60 Prozent. Auch die Sterberate der über 65-Jährigen lässt sich demnach senken – und zwar um 28 Prozent.

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Ernährungsexperten warnen vor voreiligen Schlüssen

Die Studienteilnehmer wurden aus den Teilnehmern des National Health und Nutrition Surveys (NHANES) rekrutiert. Im Rahmen dessen wurde das Essverhalten von Amerikanern aller Altersklassen über ein Jahr lang protokolliert. Für die aktuelle Studie wurden jene rund 6.000 NHANES-Teilnehmer untersucht, die älter als 50 Jahren waren.

Ernährungsexperten zweifeln jedoch an der Glaubwürdigkeit der Studie. Der naheliegende Rückschluss, bis zum Alter von 65 Jahren den Konsum von tierischem Eiweiß zu reduzieren oder darauf zu verzichten und ab dann viel tierisches Eiweiß zu essen, um Krebs vorzubeugen, sei problematisch. Die Experten kritisieren vor allem die Vorgehensweise der US-Forscher: Diese hätten nämlich ausschließlich ausgewertet, wie sich die Studienteilnehmer in den letzten 18 Jahren ernährt haben, und dies mit dem aktuellen Gesundheitszustand in Verbindung gesetzt. Nicht aber berücksichtigt wurde, ob die Teilnehmer schon vorher unter Krankheiten litten. Unberücksichtigt blieb auch, wie viel Alkohol sie konsumierten, ob sie rauchten oder wie gesund sie sonst lebten. Auch die Tatsache, dass die Forscher die Folgen von Rauchen mit denen des Fleischkonsums gleichstellen, halten die Experten für unverantwortlich. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass Rauchen grundsätzlich schädlich sei, der Konsum von Fleisch, Milch und Eiern jedoch nur unter bestimmten Bedingungen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Aufnahme von 2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht. Das wären bei einem 70 Kilogramm schweren Menschen 140 Gramm Eiweiß. Dies entspricht den folgenden Lebensmittelmengen: 11 Eier (ein Ei enthält 13 Gramm) oder 16,5 Gläsern Milch (ein 250-ml-Glas Milch enthält 8,5 Gramm Eiweiß). Ernährungsexperten wie Johannes Hunger betonen, dass sich Menschen, die sich ausgewogen ernähren, um ihren Konsum von tierischem Eiweiß keine Sorgen machen brauchen: „Die gesunde Ernährung darf durchaus eiweißreich sein; wichtig ist nur, dass ich dazu genug Gemüse und Ballaststoffe kombiniere und dass ich genug trinke." Denn in Maßen sei Eiweiß für unseren Körper nicht schädlich, sondern ganz im Gegenteil ein wichtiger Baustoff für unsere Zellen.

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