Fleisch aus dem Reagenzglas: Erstes Fleischbällchen künstlich gezüchtet

"Das ist die Zukunft des Fleisches"

Träumen wir nicht alle davon, die Welt ein bisschen besser zu machen? Das Unternehmen 'Memphis Meats‘ will diesem Traum jetzt angeblich ein Stück näher gekommen sein. Die Forscher haben in Kalifornien das erste künstlich hergestellte Fleischbällchen vorgestellt. Fleisch, für das kein Tier sterben musste und das noch dazu etwas gegen den Klimawandel tut. Zu schön um wahr zu sein? Die Wissenschaftler sind sich jedenfalls sicher: "Das ist die Zukunft des Fleisches."

"Wir wollen mit der Fleischindustrie das machen, was das Auto mit Pferd und Kutsche gemacht hat. Gezüchtetes Fleisch wird den Status Quo vollständig verändern und Tiere zum Essen zu züchten wird undenkbar sein", erklären die Forscher weiter. Dazu werden Zellen von Schweinen und Kühen isoliert, die sich auf natürlichem Wege wieder nachbilden können. Nachdem den entnommenen Zellen Sauerstoff, Zucker und Mineralien zugeführt wurde, entwickeln sich in einem Bioreaktor daraus Skelettmuskeln. Nach 21 Tagen kann das Fleisch angeblich "geerntet" werden.

Wenn es nach 'Memphis Meats‘ geht, ist ihr Fleisch die Lösung vieler Probleme: Nicht nur, dass das Töten von Tieren theoretisch überflüssig werden würde, die Produktion des Fleisches rund 90 Prozent weniger Treibhausgasemissionen verursachen soll, es ist angeblich auch noch gesund. Denn das Labor-Produkt soll frei von Antibiotika und Krankheitserregern sein.

Bislang konnten die Wissenschaftler nur kleine Mengen des Retortenfleisches erzeugen. Geschmacklich sollen die Fleischbällchen aber schon jetzt auf ganzer Linie überzeugen – so wird es einem zumindest in dem Promo-Video des Unternehmens verkauft. Ob und wann das gezüchtete Fleisch auf den Markt kommt, steht allerdings noch in den Sternen. Denn noch sucht 'Memphis Meats‘ nach Investoren, die die immens hohen Produktionskosten übernehmen.

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Nicht der erste Versuch Fleisch künstlich herzustellen

Dabei ist die Idee des Fleisches aus dem Reagenzglas alles andere als neu: Bereits 2004 starteten drei Universitäten in den Niederlanden einen ersten Versuch und waren fünf Jahre später damit erfolgreich. Sie züchteten Fleischstücke, die etwa 22 Millimeter lang, acht Millimeter breit und einen halben Millimeter dick waren. Wieder vier Jahre später schaffte es schließlich die erste künstliche produzierte Bulette auf den Teller des Forscherteams aus Maastricht.

Das Prinzip der Herstellung war dabei das Gleiche wie bei 'Memphis Meats‘ und auch geschmacklich soll das im Labor erzeugte Produkt gepunktet haben. Der US-Ernährungsautor Josh Schonwald und die österreichische Lebensmittelforscherin Hanni Rützler bekamen die ersten Häppchen serviert. Rützler sagte, sie habe gedacht, die Bulette sei weicher. Das fettfreie Produkt käme aber "nah an Fleisch heran", es sei nur nicht ganz so saftig wie Fleisch. "Die Konsistenz ist perfekt."

Blöd ist die Idee jedenfalls nicht: Denn seit Jahren steigt der Fleischkonsum immer weiter an. Allein in Deutschland vertilgt jeder Mensch durchschnittlich rund 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Die dafür benötigten Ressourcen steigen dabei potentiell mit. Etwa ein Viertel der weltweit produzierten Nahrungspflanzen landen nämlich nicht auf unserem Teller, sondern im Futtertrog. Würde die Menschheit auf Fleisch verzichten, könnte die globale Ernte laut Wissenschaftlern vier Milliarden Menschen mehr satt machen.

Auf unsere Teller wird es das Retortenfleisch aber wohl nicht so schnell schaffen, denn noch besteht zu viel Forschungsbedarf. Das Muskelgewebe sei bislang noch sehr klein und es ist auch noch nicht möglich Fettgewebe herzustellen. 2009 hieß es noch, die Produktion des gezüchteten Fleisches würde noch mindestens 10 bis 20 Jahre und eine Menge Geld in Anspruch nehmen. Diese Aussage würden beide Forscherteams wohl auch 2016 nochmal unterschreiben.

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