Essbare Blätter und Tannennadeln: Pflücken Sie Ihren Salat vom Baum

Einfaches Salatdressing zum Selbermachen
Einfaches Salatdressing zum Selbermachen Lecker und im Nu gemacht 00:00:37
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Mehr Abwechslung auf dem Salatteller? Kein Problem!

Gänseblümchen im Salat, Löwenzahn als Honig, Fliederblüten als Sirup oder Orchideen im Cocktail – essbare Blüten sind keine Seltenheit mehr. Der neue Trend auf dem Teller lautet Baumsalat. Gemeint sich junge Blätter von Bäumen und zartgrüne Tannennadeln. Was sich gewöhnungsbedürftig anhört, findet immer mehr Anhänger. In einigen Metropolen werden sogar ganze 'Baumsalat-Touren' angeboten – wie zum Beispiel in Berlin. Das Ziel der Tour: Blätter sammeln für einen Salat, der am Ende gemeinsam verspeist werden soll.

Je älter die Blätter sind, desto härter und weniger schmackhaft werden sie, erläutert die 39-jährige Kursleiterin Madeleine Zahn. Die Tour ist daher eine saisonale Angelegenheit: Erntezeit ist nur von Mitte April bis höchstens Anfang Juni. Vergleichbare Sammeltouren sind bundesweit äußerst rar – wenn, dann gibt es sie auf dem Land.

Doch nicht alles, was man im Park pflücken kann, ist unbedenklich. Auch das lernen die Städter auf der Baumsalat-Tour. Vorsicht sei etwa bei Gepflücktem aus Fußhöhe geboten, wo sich Hunde erleichtern können, warnt Zahn. Sie hat Naturschutz und Landschaftsnutzung studiert und sich das Wissen über Blätter und Blüten angelesen. Auch direkt neben vielbefahrenen Straßen rät sie vom Pflücken ab: Sonst machen sich womöglich erhöhte Abgaswerte und Feinstaub in der Salatschüssel bemerkbar. Sie warnt zudem vor der Eibe: Dieser Baum ist hochgiftig.

"Nicht alles, was grün ist, ist gesund"

Neben den Blättern vieler Strauchgewächse und Laubbäume könne man sich auch an den allermeisten Nadelbäumen bedienen. Damit am Ende nicht doch die Eibe im Salat landet, empfiehlt Zahn ein Bestimmungsbuch, um giftige Pflanzen ganz sicher auszuschließen.

"Über die Wirkung von Blättern und Tannennadeln ist nichts bekannt. Das hat noch nie jemand untersucht", sagt Jürgen Thier-Kundke, Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Manche Kräuter enthalten sogar krebserregende Stoffe, erklärt Thier-Kundke. In Städten sei das Risiko, dass Pflanzen etwa durch Abgase, Exkremente von Mensch oder Tier sowie durch Mikrobakterien verunreinigt seien, jedoch größer als auf dem Land. Kursteilnehmerin Claudia Eschen hat dennoch keine Bedenken, dass der Blattsalat ungesund sein könnte. Die 34-Jährige zweifelt eher an der Alltagstauglichkeit: "Mir ist dieses Sammeln zu umständlich für einen Salat." Und wie bei vielen anderen bedenklichen Inhaltsstoffen, kommt es auf die Menge an, die man zu sich nimmt. Als gelegentliche Abwechslung auf dem Teller eignet sich Baumsalat allemal.