Atom-Alarm: Sind auch Lebensmittel in Deutschland verseucht?

Verseuchter Spinat, verstrahlte Milch - in Japan geht die Angst vor verstrahlten Lebensmitteln um. Aber nicht nur dort, sondern auch hier in Deutschland fragen sich viele Menschen: Wie sicher ist unsere Nahrung? Welche Lebensmittel sind möglicherweise belastet? Und wie lässt sich eine atomare Bestrahlung messen?

ANZEIGE

Tagelang hieß es seitens der japanischen Regierung, die Angst der Bevölkerung vor verseuchten Lebensmitteln sei unbegründet. Mittlerweile sieht die Lage anders aus: Für vier Präfekturen (Landkreisen) in der Krisenregion hat die Regierung ein Lieferverbot für Milch und verschiedene Gemüsesorten verhängt. Bei Hitachi – rund 100 Kilometer südlich des AKW Fukushima - wurde bei Spinat ein Jod-131-Wert von 54.000 Becquerel (Grenzwert: 2000 Becquerel) und ein Cäsium-Wert von 1931 Becquerel (Grenzwerrt: 500 Becquerel) je Kilogramm gemesssen. Besonders betroffen vom Lieferstopp für Spinat ist die Präfektur Ibaraki: Auf den großen Gemüsemärkten Tokios kommen 30 Prozent des gesamten Spinatangebots aus dieser Region. Die WHO forderte Japan dazu auf, stark radioaktiv belastete Lebensmittel unverzüglich aus dem Handel zu nehmen.

Bei Milch aus der Umgebung des Krisengebietes wurde der Grenzwert teilweise um das 17-Fache Überschritten. In neun Regionen wurden Spuren von radioaktivem Jod in Trinkwasser gefunden, darunter auch in Tokio. So haben beispielsweise die Messungen in Iitate, einem rund 60 Kilometer südwestlich des Unglücksreaktors von Fukushima liegenden Dorf, Werte von 965 Becquerel Jod pro Liter Leitungswasser ergeben. Der Grenzwert liegt bei 300 Becquerel. Nun hat die Regierung die Bevölkerung aufgefordert, kein Leitungswasser mehr zu trinken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist über die Belastung von Lebensmitteln „stark besorgt“, so ein Sprecher in Genf. Noch in der vergangenen Woche hatte die WHO die Strahlensituation als nicht besorgniserregend eingestuft.

Nun wurden in Taiwan radioaktiv belastete Bohnen aus Japan entdeckt. Bei einer Ladung von 14 Kilogramm Bohnen aus Kagoshima im Süden Japans seien erhöhte Strahlenwerte gemessen worden. Damit wurden erstmals seit dem Atomunglück belastete Lebensmittel im Ausland gefunden. Nicht zuletzt diese Meldung schürt die Ängste der Menschen weltweit. Viele fragen sich, ob es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch bei uns verseuchte Lebensmittel auftauchen.

Sind auch Lebensmittel in Deutschland von der Strahlung betroffen?

Bereits vor dem Erdbeben machte der Anteil der aus Japan nach Deutschland importierten Lebensmittel nur 0,1 Prozent aus. Importiert werden vor allem Würzsoßen, Ingwer, getrocknete Shiitake-Pilze, Nori-Algen, grüner Tee und Reis. Fisch und Fischprodukte spielen mit nur 60 Tonnen pro Jahr eine vergleichsweise geringe Rolle. Zum Vergleich: Insgesamt wurden 2010 aus allen exportierenden Ländern 900.000 Tonnen Fisch nach Deutschland eingeführt.

Durch die Kühlung der Reaktoren ist auch das Meerwasser mit radioaktivem Jod und Casium belastet. Viele Menschen haben nun die Befürchtung, dass die Strahlung dadurch in die weltweite Nahrungskette eingespeist werden könnte. Brisant könnte diese Tatsache dann werden, wenn der Wind die radioaktive Luft gen China treibt. Von China bezieht Deutschland nämlich deutlich mehr Nahrungsmittel als aus Japan. Ansonsten geben die Forscher Entwarnung: Falls radioaktive Stoffe wie Cäsium in den Pazifik gelangen, so wird dieses sehr schnell im Wasser verdünnt. Laut deren Prognosen wird nach spätestens 12 Monaten keine Kontamination der Fischbestände mehr messbar sein.

Alles, was derzeit aus Japan verfügbar und in den Läden ist, stammt aus der Zeit vor der Reaktorkatastrophe. Die Lebensmittel werden per Schiff transportiert und die Transferzeit beträgt etwa vier Wochen.

Falls Sie auf Nummer sicher gehen wollen: Fisch und Fischprodukte aus Japan sind stets gekennzeichnet und erkennbar an der Nummer 61. Shiitake-Pilze werden zu 98 Prozent in Deutschland gezüchtet. Die Rest stammt meist aus China. Darüberhinaus werden die Pilze im Treibhaus gezüchtet.

Die Zollbehörden an Häfen und Flughäfen sind außerdem angewiesen, Importe aus Japan mittels Geigerzähler auf Strahlenbelastung hin zu überprüfen.