Zuckerersatz im Test: Stevia, Aspartam und andere Süßungsmittel im Fakten-Check

Sind Stevia, Aspartam und Co. sinnvoller Ersatz für Zucker?

Zucker ist eine Energiequelle für unseren Körper - und macht auch noch glücklich! Für viele Menschen spielt Süßes im Leben eine große Rolle - auch wenn sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass Zucker auch negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat. Wie gut, dass es heutzutage Zuckerersatzstoffe gibt! Keine Kalorien, kein Übergewicht und trotzdem im süßen Leben schwelgen - zu schön, um wahr zu sein, meinen viele. Aber: Schützen alternative Süßungsmittel tatsächlich vor Übergewicht, Karies und Diabetes? Und lässt sich der klassische Rüben-Zucker wirklich so ohne Weiteres ersetzen? Diesen Fragen ist die Stiftung Warentest nachgegegangen.

Fakt ist: So ganz problemlos funktioniert das nicht. Beim Backen kann man Zucker zwar durch ein anderes Süßungsmittel austauschen - es erfordert allerdings ein wenig Übung, was die Dosierung angeht. Zucker bringt Stabilität und macht haltbar. Außerdem liefert er schnelle Energie - pro Gramm liefert Zucker (Saccharose) vier Kilokalorien.

Alternative Süßungsmittel dagegen haben oft null Kalorien - und das kann den Appetit eher anregen. Denn das Gehirn reagiert auf "leere" Kalorien eher mit Heißhunger, da es, wenn man etwas Süßes isst, einen Energieschub erwartet - der dann nicht kommt.

Was Stevia, Aspartam und andere Süßungsmittel wirklich taugen, hat die Stiftung Warentest untersucht.

Süß geht auch anders: Wichtige Fakten über Zuckeralternativen

Alternative Süßungsmittel: Dazu gehören Sirup, Dicksaft und das älteste Süßungsmittel der Welt, der Honig. Alle drei Süßungsmittel stammen aus der Natur und verfügen über einen ganz natürlichen Zuckergehalt (Fruktose und Glukose). Die Süßungsintensität ist dabei unterschiedlich: Honig und Agavensirup süßen stärker, Dicksäfte und Ahorn- oder Reissirup etwas schwächer. Veganer verwenden gern Agavendicksaft - oder auch Kokosblütenzucker. (Rübenzucker stammt zwar auch aus der Natur, ist aber sehr stark industriell verarbeitet.)

Für Menschen mit Fruktoseunverträglichkeit sind Agavendicksaft und Honig keine gute Zuckeralternative, da beide viel Fruktose enthalten - und Kokosblütenzucker ist mit über 20 Euro pro Kilo sehr teuer. Sirup ist zwar natürlich, aber wird auch vor Verzehr erhitzt und eingekocht und büßt damit Nährstoffe ein. Alle drei liefern aber genauso viele Kilokalorien wie Haushaltszucker.

Zuckeraustauschstoffe: Die in der EU zugelassenen Zuckeraustauschstoffe heißen Erythrit, Isomalt, Laktit, Maltit, Mannit, Poly­glycitolsirup, Sorbit und Xylit. Nach ihrer chemischen Einordnung sind diese Stoffe eigentlich Alkohole. Bis auf Xylit haben sie eine nicht so starke Süßkraft und nur halb so viele Kilokalorien wie Zucker. Erythrit ist sogar kalorienfrei.

Der Nachteil: Diese sogenannten Zuckeralkohole können Durchfall hervorrufen - daher wird bei manchen Produkten (10%) auf der Verpackung vor einer abführenden Wirkung gewarnt. Wer übrigens Fruktose nicht verträgt, verträgt auch meist kein Sorbit.

Süßstoffe: Diese Süßungsmittel haben eine wesentlich höhere Süßkraft als Haushaltszucker und werden aus Pflanzenextrakten oder synthetisch gewonnen. Zu dieser Gruppe gehören innerhalb der EU Acesulfam K, Aspartam, Aspartam-Acesulfam-Salz, Cyclamat, Neohesperidin DC, Neotam, Saccharin, Sucralose und Thaumatin. Und natürlich Steviolglykoside aus der Steviapflanze und Advantam.

Die EU hat für alle Süßungsmittel Höchstmengen festgelegt - das einst in Verruf geratene Aspartam wurde 2013 als nicht gesundheitsgefährdend eingestuft.

Wegen ihrer starken Süßkraft braucht man von diesen Stoffen nur kleinste Mengen, um sich seinen Joghurt oder seinen Obstsalat zu versüßen - Advantam süßt sogar 37 000-mal stärker, als normaler Zucker! Außer Aspartam und Thaumatin haben diese Süßstoffe keine einzige Kilokalorie. Da sie oft nicht völlig geschmacksneutral sind, werden sie oft mit anderen Süßungsmitteln kombiniert.

Süßschnäbel, die auf ihre Linie achten wollen, sollten aber auf jeden Fall beachten, dass Lightprodukte trotz der Zuckeralternativen nicht immer kalorien-oder zuckerfrei sind. Gerade Stevia ersetzt in vielen Produkten nur einen Teil des Zuckers - und zwar aus geschmacklichen Gründen.

Am günstigsten für Ihre Gesundheit ist es natürlich grundsätzlich einfach weniger zu süßen. Unter dem Motto "weniger ist mehr" sollte man schrittweise versuchen, weniger Süßes zu konsumieren - dann genießt man das kleine Stück Schokolade zwischendurch umso mehr.

Und: Fallen Sie nicht auf die blumigen Versprechungen der Lebensmittelwerbung herein! Lesen Sie genau, was auf der Verpackung steht - dann sehen Sie, wie viel 'weniger Zucker' wirklich in einem Lightjoghurt steckt.

(Quelle: Stiftung Warentest, 11/2015)

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