Türkische Süßigkeiten: Süß - süßer - Turkish delight

Türkische Süßigkeiten
Ob Lokum, Tulumba oder Künefe: Türkische Süßigkeiten stecken voller Liebe. © nusi55 - Fotolia, Nusret DOGAN

Der Geschmackssinn erfreut sich an allem Süßen

Wenn es um Süßes geht, sind lange Einleitungen nicht von Nutzen. Wer starrt schon gerne stundenlang auf eine leckere Süßigkeit? Beginnen wir also gleich mit dem Urgestein der türkischen Süßigkeiten: Lokum. Erzählungen zufolge ist dieses Häppchen eine der ältesten süßen Spezialitäten der Welt. Dass der Name „Turkish delight“ an Lokum haften geblieben ist, hat seinen Grund: Es ist wirklich ein Vergnügen erster Klasse! Achtung: Oft wird der berühmte türkische Honig mit Lokum verwechselt – ein fataler Irrtum, der einen um den wahren Genuss bringt.

Um die Entstehungsgeschichte des Lokum zu zeichnen, muss man zuerst vom "türkischen Viagra" reden - schon ist es kein allzu großes Rätsel mehr, welchen Beweggrund die Herstellung dieses Konfekts hatte: Um seinen Haremsfrauen als Gegenleistung eine Freude zu bereiten, ließ ein Sultan im späten 17. Jahrhundert mehrere Konditoren zu sich kommen und gab ihnen den Auftrag, eine Süßigkeit zu erschaffen, die die Augen seiner Harems-Frauen zum Leuchten bringen - und dem Sultan gleichzeitig zu mehr Standhaftigkeit verhelfen sollte. Als Spitzenreiter unter den Konditoren trat dabei Haci Bekir hervor. Seitdem hat die Köstlichkeit schon viele Menschen beglückt, auch Napoleon konnte seine Finger nicht von dem "bequemen Häppchen" (aus dem Arabischen "rahat al-hulqum") lassen. Noch heute kann man diese süchtig machenden, nach Haci Bekirs Original-Geheimrezept hergestellten Süßigkeiten kaufen, denn sein Geschäft ist über Generationen hinweg als Familienbetrieb erhalten geblieben ...

 

Süße Liebesnamen

Aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte sind die sagenumwobenen Süßigkeiten immer eng mit der Liebe verbunden. So wundert es nicht, dass sie auch entsprechende Namen tragen: Sie heißen 'Bülbül yuvası' (Nachtigallennest) oder unverhohlen 'Kız memesi' (Mädchenbrüste), sie besingen 'Dilber Dudağı' (Schöne Lippen) oder huldigen dem 'Hanım Göbeği' (Frauennabel). Da bekommen Sie sofort Lust, Lokum mal selbst herzustellen? Das sollten sie aber nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es sind zwar nur einfache Zutaten nötig, doch die große Kunst liegt in der richtigen Kochdauer - die einzuhalten kann einem wirklich den letzten Nerv rauben!

Weniger blümerant und lieblich benamt kommt Künefe daher - jedoch entzückt es den Gaumen so intensiv mit seinem Geschmack, dass man automatisch über die Liebe spricht. Diese Spezialität aus Antakya ist nicht nur eine Süßspeise - sie ist ein Kulturerbe! Das Besondere an Künefe ist die Kombination aus Käse, Tel Kadayif (Fadennudeln) und Zuckersirup. Künefe wird auch Engelshaar-Dessert genannt, aber nicht nur wegen der hauchdünnen Fadennudeln, sondern auch wegen der Art, wie der Käse zwischen den Tel Kadayif zerschmilzt und im Mund zergeht – das muss einfach mit den Engeln in Verbindung gebracht werden... 

Dass man nicht nur herzhafte Sachen frittieren kann, zeigt uns die Nachspeise Tulumba. Der Name leitet sich von der Zubereitungsart ab und verweist auf den Spritzbeutel, aus dem der Teig mitten in den heißen fettigen Topf gedrückt wird. Zu diesem türkischen Spritzgebäck wird - wie nicht anders zu erwarten - am liebsten zu Çay getrunken. Sie wissen ja: Çay trinkt man als Türke immer und überall!

In der Türkei ist es übrigens gang und gäbe, Süßigkeiten an Freunde und Verwandte zu verteilen. Die Geburt eines Kindes, ein neuer Arbeitsvertrag, der Umzug in eine neue Wohnung können Anlässe dafür sein, man zeigt mit seinem süßen Geschenk, dass man sein Glück gerne mit anderen teilen möchte. Eine sehr nette Aufmerksamkeit und Geste.

Esra Gülbahar

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