Tropanalkaloide: Babynahrung und andere Produkte auf Bio-Getreidebasis gefährlich

Tropanalkalodie: Babynahrung und andere Produkte auf Bio-Getreidebasis so gefährlich
Vor allem Babynahrung ist immer wieder mal mit Tropanalkaloiden belastet.

Das macht Tropanalkaloide so gefährlich

Immer wieder werden Lebensmittel wegen des Gehalts an Tropanalkaloiden zurückgerufen. Zuletzt im Frühjahr 2015, als der Bio-Markt Alnatura aufgrund des Tropanalkaloidgehalts vor dem Verzehr seiner Hirsebällchen warnte. Was macht Tropanalkaloide so gefährlich? Und warum sind gerade Bio-Lebensmittel häufig damit belastet?

Tropanalkaloide schützen die Pflanze vor Fraßfeinden, sind aber auch für Menschen giftig. Viele Lebensmittel enthalten Tropanalkaloide, vor allem aber solche, die zur Familie der Nachtschattengewächse zählen. Dazu gehören beispielsweise Stechapfel (auch als Engelstrompete bekannt), Bilsenkraut oder Tollkirsche. Tropanalkaloide sind auch als Rauschdrogen bekannt. Beim Menschen können sie zu Schwindel, Halluzinationen bis hin zum Tod durch Atemstillstand führen. Im Mittelalter wurden sie diversen Hexengebräuen beigemischt. Die Langzeitfolgen von Tropanalkaloiden sind noch nicht hinreichend erforscht.

Darum enthalten Produkte auf Bio-Getreidebasis oft Tropanalkaloide

Nachtschattengewächse gedeihen auf nährstoffreichen Böden. Diese Böden benötigen auch die meisten Getreidesorten. Um zu verhindern, dass sich die Samen dieser Pflanzen bei der Ernte mit ins Getreide mischen, kommen in der herkömmlichen Landwirtschaft spezielle Herbizide und Pestizide zum Einsatz. Anders sieht es in der Bio-Landwirtschaft aus, wo generell keine Pflanzenvernichtungsmittel eingesetzt werden. So kommt es immer wieder mal vor, dass vor allem biologisch angebautes Getreide wie Hirse oder Buchweizen mit Tropanalkaloiden belastet ist. Die Samen dieser Pflanzen gelangen vor allem in der Bio-Landwirtschaft immer wieder mit ins Getreide, da hier keine Pestizide zum Einsatz kommen.

Fatal daran: Gerade für Baby-Nahrung wird oft Bio-Getreide verwendet. Daher ist vor allem Babynahrung immer wieder mal mit Tropanalkaloiden belastet. Im Juni 2015 wurde von der EU-Kommission ein Verordnungsvorschlag für Höchstgehalte von Tropanalkaloiden in getreidebasierter Babynahrung vorgesehen, die Hirse oder Buchweizen enthält. Vorgesehen ist ein summarischer Grenzwert für die Tropanalkaloide Atropin und Scopolamin sowie Anforderungen an die analytischen Bestimmungsgrenzen für Tropanalkaloide. Mit einer Umsetzung wird Anfang nächsten Jahres gerechnet. Das berichtet das Analytik-Institut Eurofins auf seiner Seite.

Darüber hinaus hat die EU-Kommission eine Empfehlung (2015/976) zum Monitoring von Tropanalkaloiden in Lebensmitteln veröffentlicht. Diese sieht das Monitoring der Tropanalkaloide Atropin und Scopolamin in Getreide und Getreideerzeugnissen (insbesondere bei Buchweizen, Sorghum, Hirse, Mais und deren Mehle), Getreidebeikost für Säuglinge und Kleinkinder, glutenfreien Produkten, Nahrungsergänzungsmitteln, Tee, Kräutertee, Hülsengemüse, Hülsenfrüchten, Ölsaaten und Erzeugnissen vor.

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