Spargel unter Folie - muss das sein?

Spargelstangen liegen während der Ernte auf einem Feld bei Weiterstadt (Hessen) in einer Kiste. Der erste Freiland-Spargel wächst unter drei bis vier Folien, die die Wärme im Boden halten - und auch nur an ausgesuchten Standorten. Die R
Der erste Freiland-Spargel ist unter einer Folie gewachsen und wird schon ab Mitte März geerntet. © dpa, Arne Dedert, ade kno

Die Spargelernte startet bereits im März - dank Folie

Die Spargelbauern liefern sich zu Beginn der Spargelsaison ein regelrechtes Rennen. Wer als erster Spargel für die darbende Kundschaft hat, macht den großen Reibach, denn anfangs sind die Preise für ein Kilo Spargel viermal so hoch wie zum Ende der Saison. Und dank des Spargelanbaus unter Folie ist die Ernte immer früher möglich. Mittlerweile dauert die Spargelsaison drei Monate anstatt wie vor zwanzig Jahren nur sechs Wochen. Kritiker halten den Energieaufwand für die künstlich verlängerte Spargelsaison allerdings nicht für gerechtfertigt.

Nicht erst im Mai, wenn die Sonne stark genug ist, beginnt die Spargelernte, sondern bereits im April, manchmal sogar schon im März - der Mensch macht's möglich. Unter mehreren Lagen speziell beschichteter Folien, die regelmäßig gewendet werden müssen, gedeihen die frühen Spargelsorten gut.

Michael Rothkegel, Geschäftsführer des BUND-Landesverbandes Hessen sieht den künstlichen Anbau aber kritisch: "Spargel sollte wie alle Gemüse- und Obstsorten am sinnvollsten und in aller Regel ökologisch vorteilhafter der Jahreszeit entsprechend produziert und gehandelt werden, anstatt die Saison künstlich und mit hohem Energieaufwand vorzuziehen. Die Folien müssen hergestellt und verlegt werden, was mit Energieverbrauch verbunden ist."

Der Arbeitsaufwand für die Abdeckung des Spargels mit Folie sei tatsächlich beträchtlich und erzeuge Kosten, die wieder eingebracht werden müssten, sagt Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbandes. Das erkläre auch die hohen Spargel-Preise: Bei zwanzig Euro liege das Kilo Spargel anfangs. Erst später, wenn der Markt überschwemmt sei, würden die Preise sinken und zum Ende der Saison gebe es das Kilo für fünf Euro. Daher versuche jeder Spargelbauer früh mit der Ernte zu beginnen und sie künstlich zu verlängern. 

Kritik an dieser Vorgehensweise wollen die Befürworter des Folien-Spargels allerdings nicht so hinnehmen und betonen, dass die Folien "lebensmittelecht und TÜV-geprüft" sowie recyclingfähig seien, der Spargel unter ihnen ideal gedeihe und eine bessere Qualität habe als herkömmlich gewachsener Spargel.

Trotz der Kritik am Spargelanbau mit Folien sind sich Umweltschützer aber einig, dass die frühe Ernte immer noch besser sei, als Importware von anderen Kontinenten, die die Umwelt mit 24-Mal so hohen Treibhausgasemissionen belaste.

Quelle: DPA

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