Sind Chia-Samen nutzloses Vogelfutter? Ernährungsexperte entzaubert das Superfood

Chia-Samen sind ein beliebtes Superfood
Ist der Ruf der Chia-Samen berechtigt?

Einst waren Chia-Samen Futtermittel für Hühner

Kaum ein Lebensmittel wird derzeit so gefeiert wie Chia-Samen – sie gelten als das Superfood schlechthin. Reich an gesunden Fetten und Ballaststoffen sollen sie nicht nur vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen, sondern auch die Verdauung fördern, den Blutzucker regulieren und ein Wundermittel zum Abnehmen sein. Und sie sind mittlerweile so beliebt, dass sie es geschafft haben, ihr Reformhaus-Image abzulegen. Man findet sie mittlerweile in jedem Drogeriemarkt und sogar beim Discounter.

Doch der Hype um die Körnchen ist völlig übertrieben, erklärt Lebensmittelchemiker Udo Pollmer im 'Deutschlandradio Kultur'. Nicht nur, dass deren Nutzen wissenschaftlich nicht belegt sei: Tierversuche würden sogar darauf hindeuten, dass Chia-Samen Allergien und Entzündungen fördern. Und noch etwas: Laut Pollmer wurde Chia - noch bevor es den Superfood-Rum erlangte - als Futter für Hühner verwendet. Sind Chia-Samen also nur ein nutzloses und vielleicht sogar schädliches Vogelfutter?

Chia stammt ursprünglich aus Mexiko und war für Azteken, Mayas und Inkas über 4.000 Jahre lang eins der wichtigsten Grundnahrungsmittel. Die spanischen Eroberer haben versucht, die Samen auf dem europäischen Boden einzupflanzen, doch sie gediehen nicht und gelangten so hierzulande in Vergessenheit. Bis sie vor 15 Jahren von der Futtermittelwirtschaft wieder entdeckt wurden. Doch auch damit waren sie erfolglos, weil die Hennen Eier mit kleineren Dottern legten. Als Superfood haben sich die Chia-Samen nun endlich durchgesetzt.

Werden Chia-Samen total überbewertet?

Pollmer beklagt außerdem, dass sich Beschwerden über Verdauungsprobleme nach Verzehr von Chia häufen. Auch die Verbraucherzentralen Bayern und Sachsen sehen das neue Superfood skeptisch. In ihren Mittteilungen heißt es unter anderem: "Eine besonders günstige Wirkung auf die Verdauung ist bisher wissenschaftlich nicht belegt" und "Wunderdinge sollten Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch nicht erwarten."

Ein weiterer Nachteil: Chia-Samen müssen importiert werden, was zulasten der Umwelt geht. Außerdem sind sie auch entsprechend teuer. Wesentlich günstiger und ebenso gesund sind Leinsamen und Nüsse. Auch sie sind reich an Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffen, aber deutlich günstiger als die Samen aus Übersee. Und theoretisch spräche sogar nichts gegen echtes Vogelfutter aus der Tierhandlung – Sonnenblumenkerne, Haferflocken und Erdnüsse müssen sich, was die Nährstoffdichte betrifft, auch nicht verstecken. Wie gesagt, theoretisch...

Empfehlung