Nahrungsmittelunverträglichkeit: Was steckt hinter der Volkskrankheit?

Ohne Grund auf Laktose und Gluten verzichten?
Ohne Grund auf Laktose und Gluten verzichten? Warum das sogar schädlich sein kann 00:10:29
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Ohne Diagnose auf Laktose und Gluten verzichten? Keine gute Idee!

Durchschnittlich jeder dritte Deutsche ist überzeugt, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit zu haben. Viele verzichten sogar vorsorglich auf Laktose, Fruktose oder Gluten. Doch sind 'Frei von'-Produkte auch für Leute ohne Unverträglichkeiten besser? Was passiert, wenn wir vorsorglich auf Milch und Weizen verzichten? Warum das manchmal sogar gefährlich sein kann, zeigt die Reportage im Video.

Häufig steckt Stress hinter einer Unverträglichkeit

Wer sich in deutschen Supermärkten umsieht, gewinnt den Eindruck, ganz Deutschland sei auf mindestens einen Lebensmittelinhaltsstoff allergisch. Doch woher kommt die Bereitschaft, viel Geld für Lebensmittel auszugeben, die frei sind von Gluten, Laktose und Co.?

Viele halten solche Produkte per se für gesünder. Außerdem schließen immer mehr Menschen bei Beschwerden im Verdauungstrakt per Selbstdiagnose auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit und reduzieren die entsprechenden Lebensmittel – häufig, ohne einen Arzt zu konsultieren.

Ernährungsmedizinerin Monika Bischoff vom Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP) in München erklärt, dass häufig weniger die Lebensmittel selbst als vielmehr unser hektischer Lebensstil schuld am Bauchgrummeln ist: "Ich esse viel zu schnell, trinke dann noch was dazu und habe Stress. Bei Bauchweh könnte ich schon denken, dass ich eine Unverträglichkeit habe, weil die Symptome die gleichen sind, die dann Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall hervorrufen."

Intakte Darmflora beugt Unverträglichkeiten und Allergien vor

Eine der meist verbreiteten Unverträglichkeiten ist die Laktoseintoleranz. Jeder siebte Deutsche kann keine Laktase bilden. Folglich kann der Milchzucker nicht aufgespalten werden, so dass die Laktase unzerlegt in den Dickdarm gelangt. Dort sorgt er dann für Blähungen, Durchfall, Magenkrämpfe oder Übelkeit. Viele Hersteller haben darauf reagiert: Sie bieten Produkte an, die laktosefrei sind. Dabei bräuchten viele der entsprechenden Lebensmittel diesen Hinweis überhaupt nicht: Bei Hart- oder Schnittkäse beispielsweise ist die Aufschrift 'laktosefrei' überflüssig, da dieser von Natur aus keine oder so wenig Laktose enthält, dass ihn selbst Menschen mit Laktoseintoleranz vertragen. 

Bei Gluten-Unverträglichkeit reagiert der Körper auf das im Getreide enthaltene Klebereiweiß ähnlich wie auf einen Infekt: Die Reiz-Zone ist der Dünndarm. Der Körper bildet Antikörper, die das Gluten bekämpfen. Sie schädigen aber gleichzeitig auch die Dünndarm-Zotten. Folglich können wichtige Vitamine, Fette oder Mineralstoffe nur noch schwer von unserem Körper aufgenommen werden. Das Symbol mit der durchgestrichenen Ähre garantiert, dass das Produkt zu hundert Prozent glutenfrei ist.

Wer Allergien und Unverträglichkeiten vorbeugen will, sollte seine Darmflora schützen. Sauerkraut, Roggenbrot aus Sauerteig oder probiotische Drinks bauen dank der darin enthaltenen Bakterien eine kaputte Darmflora wieder auf. Diese Bakterien können auch dafür sorgen, dass wir Unverträglichkeiten gar nicht erst bekommen.