Mehlwurm-Burger und Heuschrecken-Wraps – wie schmecken Insekten?

Wie schmecken Insekten?
Mit einem 'Insektaurant' macht eine Schädlingsbekämpfungsfirma in Köln Werbung.

Von Johanna Grewer

Insekten werden als das Fleisch der Zukunft gepriesen. Mithilfe der kleinen Krabbeltiere ließe sich das Welternährungsproblem ohne weiteres lösen, gesund sollen sie auch sein – doch schmecken Heuschrecken, Mehlwürmer und Co. überhaupt? Ich bin bereit den Test zu machen und das zu essen, was die meisten Leute noch nicht einmal in die Hand nehmen würden. Dafür muss ich nicht irgendwo in den Dschungel fahren oder auf einen exotischen Markt – heute werden auch in Köln Insekten serviert.

Schon von weitem weht mir ein leckerer Duft entgegen. Im Mediapark in Köln hat die Schädlingsbekämpfungsfirma 'Rentokil' ein mobiles 'Insektaurant' eröffnet. Unter dem Motto 'I love Grillen' kann man sich hier durch diverse gegrillte 'Köstlichkeiten' aus der Welt des Ungeziefers probieren. Na dann, guten Appetit.

An der Seite der Pressesprecherin Astrid Wozniak wage ich mich an den ersten Stand. Hier gibt es sehr appetitlich aussehende Wraps. Doch zwischen Guacamole, Bohnen und Zwiebeln schauen mich frittierte Heuschrecken an. Ich versuche, nicht daran zu denken, was ich da gerade esse und fange erst mal mit einem einzelnen Insekt an. Ziemlich knusprig und etwas salzig, stelle ich beim Kauen fest, ansonsten schmeckt die Heuschrecke nach nicht viel.

"Die haben eigentlich kaum Eigengeschmack, da kommt es schon auf die richtige Würzung an", meint Wozniak. Das kann ich nur bestätigen.

Der Panzer der Heuschrecke knirscht etwas zwischen den Zähnen, ansonsten ist nicht viel dran an diesem Snack, der ungefähr so groß ist wie eine Garnele. Wenn das unser Essen der Zukunft ist, brauchen wir keine große Angst zu haben. Schlecht schmecken die kross frittierten Insekten nicht. Aber auch nicht so gut, dass Heuschrecke ab sofort zu meinem neuen Lieblingsgericht wird.

2.000 Insektenarten sind essbar

Gleich nebenan gibt es Mini-Hamburger, die nicht nur mit dem üblichen Rindfleisch-Bratling, Salat, Tomate und Käse belegt sind. Zwischen den Brötchenhälften ringeln sich auch eine Handvoll geröstete Mehlwürmer. Doch was soll die ganze Aktion überhaupt? Astrid Wozniak erklärt mir, dass das Insekten-Grillen als ungewöhnliche Werbemaßnahme gedacht ist. Die Schädlingsbekämpfer wollen auf Ungezieferbefall aufmerksam machen.

"Alle, die je von Ungeziefer gebissen wurden, haben jetzt Gelegenheit, beherzt zurückzubeißen", so wirbt das Unternehmen auf seiner Homepage für die ungewöhnliche Aktion. Neugierige können in Köln und 12 anderen Städten weltweit, zum Beispiel in London, Stockholm oder Kapstadt, die proteinreichen Snacks probieren, denn den 3. Juni hat 'Rentokil' zum 'Pestaurant-Day' erklärt, abgeleitet vom englischen Wort 'pest', das übersetzt Schädling bedeutet.

Außer mir haben sich noch ein paar mutige Studenten in das mobile 'Insektaurant' getraut. "Gut" antworten sie mit vollem Mund auf die Frage, wie es ihnen schmeckt. "Ein bisschen Chips- oder Cornflakes-mäßig", meint einer. Die Mehlwürmer erinnern Studentin Julia Schmidt etwas an Sesam. "Die Heuschrecken schmecken am besten", meint sie, denn die seien "massiger". Auch ihr Kommilitone Joachim Grobe ist begeistert: "Es schmeckt alles interessant, weil man das so nicht kennt. Insekten schmecken gar nicht so schlecht. Das hätte ich nicht erwartet."

Zum Abschluss gönne ich mir noch ein Maracuja-Eis mit frittierter Grille. Die sieht sogar noch etwas fieser aus als die Heuschrecke, auch wenn sie kleiner ist. Kopf und Flügel des Insekts sind noch gut erkennbar. Egal, mit Eis rutscht alles, denke ich mir. Die Grille ist genauso knusprig frittiert wie die Heuschrecke, schmeckt aber mehr nach Pistazie. Mein Fazit: Kann man essen. Das Eis ist mir trotzdem lieber.

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