Lidl führt Haltungskennzeichnung für Frischfleisch ein: So erkennen Sie, wie das Tier gehalten wurde

So erkennen Sie die Tierhaltungsbedingungen von Lidl-Fleisch
So erkennen Sie die Tierhaltungsbedingungen von Lidl-Fleisch 01:17

Vier-Stufen-Modell informiert Fleischkäufer auf einen Blick über die Haltungsbedingungen der Tiere

Mehr Durchblick in Sachen Tierhaltung: In allen 3.200 Lidl-Filialen in Deutschland gibt es ab sofort eine transparente Haltungskennzeichnung für Frischfleisch. Der sogenannte Lidl-Haltungskompass informiert die Kunden mit einer entsprechenden Kennzeichnung auf der Fleisch-Verpackung über die Haltungsbedingungen des Tieres, dessen Fleisch sie gerade in den Händen halten. Vier Stufen sollen die Haltungsbedingungen von 'Stallhaltung' bis 'Bio' kennzeichnen. Wie die Kennzeichnungen auf der Verpackung genau aussehen und was sie bedeuten, sehen Sie im Video!

Lidl als Vorreiter in Sachen Tierschutz?

Die ersten Frischfleischprodukte mit dem Lidl-Haltungskompass gibt es ab April. Auf jeder Verpackung Schweine-, Rind-, Puten- und Hähnchenfrischfleisch befindet sich ein gut sichtbarer Hinweis, wie die Tiere jeweils gehalten wurden. "Wir wollen unsere Kunden dabei unterstützen, eine bewusste Kaufentscheidung für eine tierwohlgerechtere Haltung zu treffen. Ab sofort ist die jeweilige Haltungsform transparent und direkt auf der Verpackung erkennbar", so Jan Bock, Geschäftsleiter Einkauf bei Lidl Deutschland.

Die Preise für das Frischfleisch, das bei Lidl ausschließlich aus Deutschland stammt, bleiben aber vorerst identisch. "Naturgemäß kosten Bio-Artikel in der Stufe 4 mehr als konventionelle Ware. Und schon heute liegen Produkte in der Stufe 3, die unter anderem an die Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes angelehnt sind, preislich höher als in den Stufen 1 und 2", sagt Bock. Temporär verfügbare internationale Spezialitäten sind aktuell von der Kennzeichnung ausgenommen.

Die Fleischkennzeichnung ist ein weiterer Schritt des Unternehmens für mehr Tierwohl. Langfristig plant Lidl, die Stufe 2 'Stallhaltung Plus' als Lidl-Mindeststandard zu etablieren. Bock führt weiter aus: "Mit der reinen Kennzeichnung heben wir keine Tierwohlstandards an. Wir wollen jedoch erreichen, dass sich die Standards in ganz Deutschland sukzessive erhöhen. Lidl geht mit gutem Beispiel voran und hat sich konkrete Ziele gesetzt: Anfang 2019 sollen bereits rund 50 Prozent der Frischfleischprodukte mindestens auf Stufe 2 'Stallhaltung Plus' umgestellt werden und langfristig das komplette Frischfleischsortiment der Lidl-Eigenmarken mindestens auf Stufe 2 'Stallhaltung Plus'."

Lidl-Initiative setzt Agrarministerin Julia Klöckner unter Druck

Nicht nur Lidl, sondern auch die privatwirtschaftliche 'Initiative Tierwohl' starten nun mit der Kennzeichnung von Fleisch aus besseren Haltungsbedingungen. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter nannte das in der 'Neuen Osnabrücker Zeitung' ein Armutszeugnis für die neue Bundeslandwirtschaftsministerin, weil der Handel weiter sei als die Bundesregierung. Hofreiter forderte von der Bundesregierung "schnellstmöglich" einen Vorschlag, wie eine klare und verbindliche Kennzeichnung umgesetzt werden kann.

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatte zuletzt bekräftig, ein staatliches Tierwohllabel einführen zu wollen. Mit Details hielt sie sich aber zurück. Schon ihr Vorgänger Christian Schmidt (CSU) hatte daran gearbeitet. Sein Vorschlag sollte allerdings freiwillig sein.

Die Grünen hingegen haben sehr konkrete Vorstellungen. Hofreiter: "Wir fordern eine 3-2-1-0-Fleischkennzeichnung, ähnlich wie bei den Eiern. So können Verbraucherinnen und Verbraucher auf einen Blick erkennen, ob sie Milch oder Fleisch von einer Kuh kaufen, die auf der Weide gegrast hat oder von einer, die das Sonnenlicht nie zu Gesicht bekam."

Deutscher Tierschutzbund lobt den Haltungskompass

"Wir begrüßen grundsätzlich den Schritt von Lidl, eine Haltungskennzeichnung einzuführen. Diese Initiative ist ein wichtiger Schritt, endlich mehr Transparenz für den Verbraucher am Fleischregal zu schaffen", erklärte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, in einer Presseerklärung. Dabei hob er insbesondere die Kennzeichnung der Stufen 3 und 4 hervor, die den "Mehraufwand im Stall, der zu mehr Tierschutz führt", kennzeichnen.

Abschließend sagte Schröder: "Auch wenn die Kriterien im Detail immer noch ehrgeiziger sein könnten und an einigen Stellen noch Verbesserungsbedarf besteht: Die Lidl-Initiative ist und muss Vorbild für andere Handelsunternehmen sein." Dabei ist er auch einer Meinung mit den Gründen: "Und sie sollte zugleich eine Blaupause für die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sein, um ein durchdachtes staatliches Tierschutzlabel auf den Weg zu bringen."

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