Lebensmittel-Ampel: So dreist wollen die Food-Riesen uns täuschen!

Der Vorschlag der Food-Riesen stößt auf Kritik
Mit der Lebensmittelampel der Industrie sieht Nutella nicht mehr so ungesund aus. © dpa, Marcus Brandt

Lebensmittel-Ampel bereits in Frankreich und England

In einigen Ländern ist die Lebensmittel-Ampel schon längst auf den Verpackungen zu finden. Dadurch sollen Verbraucher erkennen können, welche Lebensmittel eher gesund oder ungesund sind. Verbraucherverbände wollten schon vor Jahren eine Farbkennzeichnung für sehr zuckrige, salzige oder fette Lebensmittel auch in Deutschland. Die Industrie sträubte sich dagegen. Doch jetzt kam der Sinneswandel von Nestlé, Coca-Cola und Co. Sie wollen jetzt eine EU-weite Ampelkennzeichnung nach eigenem Modell einführen. Dieser Vorschlag stößt jedoch auf Kritik, denn Nutella sieht mit dieser Ampel gar nicht mehr so ungesund aus.

Food-Konzerne machen eigenen Vorschlag

Schon lange wird in Deutschland über die Einführung einer Lebensmittel-Ampel diskutiert. Dabei sollen die Farben Rot (hoch), Gelb (mittel) und Grün (gering) für die Anteile von Zucker, Salz, Fett und gesättigten Fetten pro 100 g in einem Produkt stehen.

Nach dem die Lebensmittelkonzerne eine Einführung jahrelang verhindert haben, machen sie jetzt selbst einen Vorschlag. Dieser stößt jedoch bei Verbraucherschützern auf Kritik.

Das vorgeschlagene System sei weniger strikt und aussagekräftig als die Lebensmittelampel in Großbritannien. Es ziele darauf ab, möglichst wenige Produkte mit der Warnfarbe Rot zu kennzeichnen.

Foodwatch nannte als Beispiel Frühstücksflocken der Marke 'Nesquik'. Die Angabe zum Zucker sei in Großbritannien rot unterlegt, mit dem vorgeschlagenen System sei dasselbe Produkt mit derselben Zuckermenge aber nur noch gelb. Nutella stehe nach dem britischen System bei Fett, gesättigten Fettsäuren und Zucker auf Rot. Mit dem Herstellervorschlag wäre es aber gelb.

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Verbraucher-Täuschung durch kleiner Portionen

Der Sprecher des Lebensmittel-Konzerns Mondelez, Francesco Tramontin, erklärte, das neue System basiere auf kleineren Portionen. Statt pro 100 g wird hier nur der Nährwert einer Portionsgröße betrachtet, welche noch nicht einmal fest definiert ist. In England springt die Ampel beispielweise bei einem Zuckergehalt von mehr als 15 Prozent pro 100 g auf Rot. Bei dem Vorschlag der Industrie wird ein Produkt erst mit rot gekennzeichnet, wenn es mehr als 13,5 g Zucker pro 60 g beträgt - also wenn das Produkt fast zu einem Viertel aus Zucker besteht! Nutella ist ebenfalls eigentlich ein rotes Lebensmittel. Mit der Ampel der Industrie sähe das anders aus. Eine Portion Nutella wird hier mit Gelb gekennzeichnet. Erst wenn 90 Prozent Zucker drin wären, würde die Ampel auf Rot umschlagen. Ein dreister Versuch Verbraucher hinters Licht zu führen.

Foodwatch-Experte Oliver Huizinga empört das. "Die sechs Lebensmittelriesen wollen die Kriterien für eine Ampelkennzeichnung derart verändern, dass die Ampel seltener auf 'Rot' springt. Das führt die Idee einer verbraucherfreundlichen Nährwertkennzeichnung ad absurdum, sagte er.

Die Industrie versucht so ihre ungesunden Produkte gesünder aussehen zu lassen. Ein dreister Täuschungsversuch am Verbraucher.

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