Kaffee-Kultur: Die drei Wellen des Kaffeekonsums

Third Wave Kaffee
Ganz modern: Latte Macchiato - Milch mit Espresso im Glas. Ein Ergebnis der dritten Kaffee-Welle. © deutsche presse agentur

Eine Revolution: Die dritte Kaffee-Welle

Den Tag mit einer Tasse Kaffee zu beginnen, ist für die meisten von uns selbstverständlich. Entweder tröpfelt der Kaffee herkömmlich aus der elektrischen Kaffeemaschine oder ganz luxuriös per Knopfdruck aus dem Kaffeevollautomaten. Oder man geht sich einen schnellen 'Coffee to go' auf dem Weg zur Arbeit holen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass der Genuss von Kaffee zum Allgemeingut geworden ist. Das sind die drei Kaffee-Wellen.

Erst in den 1930er Jahren wurde der Bohnenkaffee für jedermann erschwinglich und war nicht mehr nur einer gut betuchten Oberschicht vorbehalten. Wenn es um eben diese Entwicklung der Kaffee-Kultur von damals bis heute geht, sprechen Kenner der Kaffee-Szene auch von einer ersten, zweiten oder dritten Kaffee-Welle.

Die sogenannte 'Erste Welle' lässt sich zu dem Zeitpunkt ansiedeln, als der Kaffeekonsum zwischen 1950 und 1960 rapide anstieg. Kaffee entwickelte sich zum Massenprodukt, das man fertig gemahlen und vakuumverpackt im Supermarktregal bekommen konnte.

Die "Zweite Welle" in den 1980ern löste den einfachen Filterkaffee ab. Italienische Kaffeekultur 'to go', per Kapsel, Pad und von Kaffee-Ketten wie Starbucks und Konsorten zog überall ein.

Die normale elektrische Kaffeemaschine und der Handfilter hatten ausgedient. Wer etwas auf sich hielt, schaffte sich Kaffeevollautomaten mit allen möglichen Funktionen an. So manch ein Italiener konnte nur noch staunen angesichts dieser Entwicklung.

Mitte der 90er-Jahre ist in Amerika die 'Third Wave Kaffee-Bewegung', entstanden, die mittlerweile auch in Europa angekommen ist. Dabei steht wieder der Kaffee selbst im Mittelpunkt. Die aufgeklärte internationale Kaffee-Szene widmet dem Kaffee vom Anbau bis hin zur Zubereitung besondere Aufmerksamkeit. Der hippe Kaffeegenießer möchte wissen, woher sein Kaffee kommt und ob er fair und nachhaltig angebaut wird. Er greift dafür auch lieber etwas tiefer in die Tasche, statt auf billig hergestellten Massenkaffee zurückzugreifen. Für den 'neuen Kaffee' braucht es keine aufwändige Technik wie blitzende Espresso-Maschinen mit Hebeln und Düsen, sondern man verwendet wieder einfache Kaffeefilter und Kannen, die jedoch moderner sind als ihre Vorläufer. Bevorzugt werden hell geröstete Bohnen, die nicht so bitter sind und den Aromenreichtum des Kaffees herauslocken sollen.

In den großen Städten hat sich eine wahre Expertenkultur des Kaffees entwickelt. '3rd-Wave-Cafes', Kaffee-Blogs und Kaffee-Weltmeisterschaften schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Szene vernetzt sich, tauscht sich aus und probiert neue, sozial verträgliche Geschäftsmodelle.

Hierzulande hat sich die neue Kaffee-Bewegung noch nicht allzu weit aus den großen Städten herausbewegt. Bleibt abzuwarten, wann dieser Trend noch mehr Kaffeeliebhaber überzeugen wird. Bis dahin kann man ja erst mal den guten alten Porzellanfilter wieder aus der Versenkung holen.

(Autorin: Konstance Papakonstantinou)

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