Gibt es bald keine Bananen mehr?

Bananen an einer Pflanze
Gibt es schon bald keine Bananen mehr? © iStockphoto, pressdigital

„Panamakrankheit" erneut in Südamerika angekommen

Menschen in Deutschland lieben Bananen. Im letzten Jahr wurden pro Kopf ganze 12,4 Kilo der süßen Früchte verspeist – damit ist die Banane hinter Äpfeln unser Lieblingsobst. Doch die Banane ist in Gefahr: ein sehr aggressiver Pilz, der ganze Plantagen befällt und die gelben Früchte tötet, hat sich bereits in Südostasien und Afrika immer weiter ausgebreitet. Nun ist er nach Südamerika gelangt, wo 80 Prozent aller exportierten Bananen weltweit herkommen. Ist die Banane noch zu retten?

Tropical Race 4 ist schuld

Hinter dem massenhaften Bananensterben steckt der Bodenpilz Fusarium oxysporum f. sp. cubense, der die Bananenpflanzen über ihre Wurzeln befällt und den Transport von Wasser und Nährstoffen hemmt. Dadurch verwelken die Pflanzen und sterben ab.

Die Krankheit, die 1890 auf Plantagen in Panama und Costa Rica beobachtet wurde und daher auch als Panamakrankheit bezeichnet wird, vernichtete bereits in den 1950er- und 60er-Jahren die Bananensorte Gros Michel, die bis dahin zu den verbreitetsten Exportbananen gehörte. Danach kultivierte man fast überall die Sorte Cavendish, die gegen den damaligen Erreger immun war.

Inzwischen ist jedoch eine andere, extrem aggressive Variante des Erregers auf dem Vormarsch: Tropical Race 4 (TR4). Diese hat nun Südamerika erreicht, wie die kolumbianische Regierung laut "National Geographic" bestätigte.

Was droht dem Bananenexport?

Erst einmal vorweg: Für den Menschen gefährlich sind Bananen aus dem pilzbefallenen Boden nicht. Doch ist eine Plantage erst einmal infiziert, sterben die Pflanzen bald ab und tragen dann keine Früchte mehr. Der Pilz verbreitet sich dabei auch quasi ungehemmt – denn bisher ist kein bekanntes Fungizid wirksam gegen TR4. Das kolumbianische Institut für Agrarkultur (ICA) leiste laut dem Phytopathologen Fernando García-Bastidas zwar gute Leistung darin, den Pilzbefall einzudämmen, "doch die Ausrottung ist fast unmöglich", wie ihn der "National Geographic" zitiert.

Dem gibt auch Gert Kema von der niederländischen Universität Wageningen Recht: "Wenn man ihn sieht, ist es schon zu spät und [der Pilz] hat sich vermutlich bereits unerkannt außerhalb dieser Zone ausgebreitet." 

Im Gegensatz zu der Seuche aus den 50er- und 60er-Jahren steht diesmal auch keine resistente andere Bananensorte in den Startlöchern. Dies liegt vor allem daran, dass Bananen in einer Monokultur herangezüchtet werden. Die einzelnen Pflanzen entstehen aus Trieben anderer Pflanzen, nicht durch Befruchtung. Dadurch sind viele Bananen genetische Klone voneinander und besonders anfällig für Krankheiten.

Kann man die Banane noch retten?

Sterben die südamerikanischen Bananenplantagen nun der Reihe nach ab, hat das schlimme Auswirkungen auf viele Länder. Der Handel könnte demnächst strengen Auflagen unterliegen und Bananen könnten weltweit teurer werden. Die Länder, die auf den Export der Früchte angewiesen sind, würden eine Menge Geld einbüßen. Außerdem ist TR4 auch für Kochbananen schädlich, die in vielen Ländern auf der Welt ein wichtiges Grundnahrungsmittel sind.

Viele Forscher arbeiten daher bereits an Möglichkeiten, die Banane zu retten. Bisher sind allerdings nur genetisch veränderte Bananen gegen den Pilz resistent – und ob die so beliebt bei den Verbrauchern sind, dass Bananen unser zweites Lieblingsobst bleiben, ist fraglich.

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