Gesundheitsversprechen auf Lebensmitteln: Nichts als Etikettenschwindel?

Gesundheitsversprechen auf Lebensmitteln: Nichts als Etikettenschwindel?
Gesundheitsversprechen auf Lebensmitteln vermitteln vielen Verbrauchern das gute Gefühl, damit etwas für ihre Gesundheit zu tun. Doch häufig halten sie nicht, was sie versprechen. © dpa, Oliver Berg

Viele Hersteller nutzen Schlupflöcher der Health-Claims-Verordnung der EU

Ob Angaben wie ‚ohne Zuckerzusatz‘ oder ‚leistet einen wichtigen Beitrag zum Aufbau und der Funktionsfähigkeit der körpereigenen Abwehrkräfte ‘ – Gesundheitsversprechen wie diese prangen auf vielen Lebensmitteln. Dabei zieren diese sogenannten ‚Health Claims‘ häufig die Verpackung von Lebensmitteln, die im Grunde ungesund sind: Auf 29 von insgesamt 46 untersuchten Lebensmitteln (63 Prozent) prangen falsche Versprechen. Kinderlebensmittel schneiden sogar noch schlechter ab: 75 Prozent der getesteten Produkte werben mit falschen oder irreführenden Gesundheitsversprechen. Das ist das Ergebnis des aktuellen Marktchecks, den die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und das Projekt Lebensmittelklarheit in Auftrag gegeben haben.

Immer mehr Menschen greifen zu Lebensmitteln, die einen gesundheitlichen Zusatznutzen versprechen. Dies geht aus der Studie ‚Verbraucherwahrnehmung von Lebensmittelverpackungen‘ des Projekts Lebensmittelklarheit hervor. Die Studie zeigt auch, dass 43 Prozent der getesteten Produkte mit Gesundheitsaussagen wirbt, die nicht zulässig sind. Die Europäische Union hat in der Health-Claims-Verordnung strenge Vorgaben für Werbung mit Gesundheitsversprechen auf Lebensmitteln gemacht. Erlaubt sind insgesamt 222 Claims. Dennoch verstoßen viele Lebensmittelhersteller gegen die Verordnung – häufig, ohne dass dies geahndet wird.

Für den Großteil der Verbraucher zählt gemäß der Studie der erste Eindruck. Die gesetzlich vorgeschriebene Zutatenliste oder Nährwertangaben, die auf der Rückseite der meisten Produkte abgedruckt sind, beeinflussen die geweckten Erwartungen beim Verbraucher demnach kaum. Daher lautet eine der Forderungen der Verbraucherzentrale Bundesverband denn auch, dass wichtige Informationen für den Kauf auf der Vorderseite der Verpackung zu finden sein müssen.

Viele Gesundheitsaussagen sind irreführend

Die Studie zeigt außerdem, dass viele Aussagen missverständlich sind und von den Verbrauchern falsch interpretiert werden: Über 90 Prozent der Verbraucher verstehen die Angabe ‚ohne Zuckerzusatz‘ oder ‚ungesüßt‘ beispielsweise so, dass das entsprechende Produkt überhaupt keinen Zucker enthält. Tatsache ist, dass so beworbenen Produkten kein zusätzlicher Zucker – neben den im Produkt natürlicherweise enthaltenen - zugeführt wurden. Diese Lebensmittel dürfen zudem Süßstoffe enthalten, was 70 Prozent der 750 Befragten nach eigenen Aussagen für unzulässig gehalten hätten.

„Zu oft betreiben die Lebensmittelhersteller Schönfärberei auf dem Etikett“, kritisiert der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. In einer Stichprobe seien bei 22 von 46 Produkten gesundheitsbezogene Aussagen über die EU-weit erlaubten Formulierungen hinaus verstärkt worden. Dazu zählt beispielsweise der Claim ‚für ein gesundes Herz-Kreislauf-System‘ auf einer Pflanzenölcreme. Erlaubt ist allerdings nur der Claim ‚trägt zu einer normalen Herzfunktion bei‘. Produkte, die viel Zucker und Fett enthalten, sollten gar nicht mit Gesundheitsbezug beworben werden dürfen.

Um Verbraucher vor Irreführung und Täuschung durch Gesundheitsversprechen auf Lebensmitteln zu schützen, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband folgende Maßnahmen:

- Ahndung von unzulässigen Gesundheitsversprechen und Verstößen gegen die Health Claim Verordnung durch die Lebensmittelüberwachung

- Korrektur bzw. Behebung von Kennzeichnungsmängeln durch fehlende oder falsche Nährstoffangaben durch die Hersteller

- Festlegung von Höchstwerten für die Anreicherung von Lebensmitteln mit Mikronährstoffen (wie beispielsweise Vitaminen oder Mineralstoffen wie Calcium)

- Kein Zusatz von überflüssigen Vitaminen oder Mineralstoffen

Festlegung von Nährwertprofilen

(Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)

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