Energy Drinks: EU-Studie bestätigt Gesundheitsrisiko für Jugendliche

Hohe Koffeindosis macht Energy Drinks für Jugendliche riskant

Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) warnt: EnergyDrinks können bei Kindern und Jugendlichen gefährliche gesundheitliche Folgen haben. Sie werden mit Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen, Nierenversagen und sogar Todesfällen in Verbindung gebracht. Grund dafür ist die hohe Koffein-Dosis der aufputschend wirkenden Getränke. In anderen Ländern scheint das Bewusstsein für die Risiken schon angekommen zu sein - in Deutschland hingegen noch nicht. Wir haben getestet, was die Energy Drinks so gefährlich macht und was sie in unserem Körper bewirken.

In Deutschland kann man Energy Drinks in jedem Supermarkt kaufen. Und was neben Limonade und Bier im Regal steht, kann ja so schlimm nicht sein, so die naheliegende Schlussfolgerung vieler Menschen. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sind die Energy Drinks aufgrund ihres süßen Geschmacks und des gezielten Marketings beliebt ganz im Gegensatz zu anderen koffeinhaltigen Getränken wie etwa Kaffee. Doch genau für diese Gruppe ist ein regelmäßiger Konsum koffeinhaltiger Getränke auch besonders schädlich. „Das Herz wird dickwandig. Der Muskel der linken Herzkammer wird immer dicker und dadurch wird die Funktion des Herzens gestört“, erklärt der Kinderkardiologe Dr. Martin Hulpke-Wette.

Die EFSA hat im Januar 2015 erstmals einen Höchstwert für Koffein ermittelt: Bei einer Dosis von drei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht hätten weder Erwachsene noch Kinder und Jugendliche Nebenwirkungen durch Koffein zu erwarten, so die Studie. Eine 250-ml-Dose Energy Drink enthält 80 Milligramm Koffein. Ein zwölfjähriger Junge mit 50 kg Körpergewicht überschreitet die empfohlene Tagesdosis an Koffein demnach schon mit einer 0,5 Liter Dose eines Energy Drinks.

Foodwatch fordert Verkaufsverbot für Energy Drinks an Minderjährige

Unser Reporter Sebastian König testet unter Aufsicht eines Arztes die Wirkung von Energy Drinks im Körper. In zwei Stunden will er zehn Dosen Energy Drinks trinken. Sein Blutdruck liegt zu Beginn des Experiments bei 140:86. Diese Werte gelten als normal. Nun startet der zweistündige Test: Innerhalb von einer Stunden leert unser Reporter fünf Dosen. Sein Blutdruck liegt jetzt bei 167:89. Noch fühlt er sich wohl: „Momentan geht es mir relativ gut. Ich merke, dass ich immer wacher und munterer werde. Nur der Magen fühlt sich verklebt an.“ Es geht in die zweite Runde: Auch in Stunde zwei leert Sebastian fünf Dosen. Er fühlt sich elend. "Du hast zweieinhalb Liter Energy-Drink getrunken, hast um die 800 mg Koffein zu Dir genommen in sehr kurzer Zeit, was über dem Doppelten der empfohlenen Tagesdosis liegt“, fasst Mediziner Dr. Jonas Harder zusammen. Das klingt extrem, doch Fakt ist: 12 Prozent der Teenager trinken mehr als einen Liter Energy Drinks auf einmal und überschreiten damit die von der EFSA festgelegten Höchstmengen für Koffein.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert schon seit längerem, den Verkauf von Energy Drinks an Kinder und Jugendliche einzuschränken. Und die Verbraucherorganisation Foodwatch geht noch einen Schritt weiter und fordert, dass Energy Drinks erst an Erwachsene ab 18 Jahren abgegeben werden dürfen. „Experten der Weltgesundheitsorganisation empfehlen einen Verkaufsstopp an Minderjährige – das muss auch in Deutschland passieren. Doch Bundesernährungsminister Christian Schmidt zieht sich im Moment und auf unverantwortliche Weise auf Miniwarnhinweise zurück, die auf den Dosen stehen“, kritisiert Oliver Huizinga von Foodwatch. Ein Verbot sei längst überfällig, denn wie gefährlich Energy Drinks für sie sein können, unterschätzten viele Kinder und Jugendliche nach wie vor. Litauen hat Ende 2014 übrigens als erstes Land ein Abgabeverbot von Energy Drinks an Kinder und Jugendliche erlassen.

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