Eintopf - Ein Topf für alle Fälle

Eintopf
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Der Eintopf ist ein Klassiker mit einer langen Geschichte, der Ursprung liegt sogar in der Steinzeit

Ein altes Sprichwort sagt "Essen hält Leib und Seele zusammen" – welches Gericht könnte das besser als ein herzhafter Eintopf? Besonders an kalten Tagen erwärmt dieses einfache Mahl neben dem Magen auch das Herz. Eintopf erfreut sich weltweiter Beliebt- und Bekanntheit und kommt in vielen Ländern sogar als "National-Eintopf" daher. Er zählt nachweislich zu den ältesten warmen Mahlzeiten überhaupt.

Bereits in der Jungsteinzeit sorgte ein nahrhafter Erbseneintopf dafür, dass die Jäger und Sammler nicht mit knurrenden Mägen losziehen mussten. Bei den Kelten wiederum stand häufig Brennesseleintopf auf dem Speiseplan. Und mit einem Eintopf, der auf der sogenannten "Spanischen Suppe" basierte (Olla Podrida, ein opulenter Eintopf, der ursprünglich ein Festessen kastilischer Bauern war), wurde das "Arme-Leute-Gericht" im Barock und Rokoko schließlich sogar salon- und hoffähig. Der Weg von fürstlichen Tafeln in Herrscherhäusern bis auf mit weißem Leinen gedeckte Tische in Nobelrestaurants scheint da nur logisch. Vom Rezept der Steinzeit bis in unsere Tage hat der Eintopf etliche Wandlungen durchgemacht. Von den Zutaten bis zur Zubereitung. Sein Wesen aber wurde bewahrt.

Praktischerweise sind nach wie vor nicht viele Kochutensilien für einen Eintopf nötig. Wie der Name schon sagt – ein einziger Topf genügt. Er muss nur groß genug sein. So verschieden die vielen Eintopf-Rezepte aus aller Welt auch sind, eines haben sie alle gemeinsam: Die wichtigste Zutat ist Zeit. Denn erst durch das lange, weil langsame, gemeinsame Garen der verschiedenen Ingredienzien bei relativ niedriger Temperatur können die einzelnen Aromen zu diesem wunderbaren Ganzen verschmelzen, das für den Eintopf charakteristisch ist. Ein Gericht zum Entschleunigen, nichts, was sich in 20 Minuten auf den Tisch zaubern lässt. Aber während im Topf alles gemächlich stundenlang vor sich hin schmurgelt, kann man sich anderen Dingen widmen.

Wie für jedes gute Essen gilt dabei auch für den Eintopf: Je besser die Zutaten, umso besser das Endergebnis und der Geschmack.

Hochrangige Fans und Speise für Viele

Bei so viel Geschmack aus einem Topf werden sogar harte Männer ganz weich. Bismarck wird nachgesagt, ein großer Fan des Pichelsteiner Eintopfs gewesen zu sein. Auch die Politiker unserer Tage schätzen den Eintopf als kulinarisches Gut. Keine Geringere als Angela Merkel plädierte schon 2004 auf dem Hessentag in Heppenheim: "Vor lauter Globalisierung und Computerisierung dürfen die schönen Dinge des Lebens wie Kartoffeln oder Eintopf nicht zu kurz kommen." Im gleichen Jahr wurde zum Amtsantritt von Horst Köhler als Bundespräsident anlässlich der eigens hierfür in Berlin unter freiem Himmel stattfindenden "Tafel der Demokratie" die schwäbische Eintopf-Spezialität Gaisburger Marsch als Hauptgang aufgetischt, zubereitet vom deutschen Meisterkoch Harald Wohlfahrt. Auch fünf Jahre später, an gleicher Stelle, spielte wieder ein Eintopf die lukullische Hauptrolle. Diesmal in Form von Berliner Erbseneintopf mit Möhren, Sellerie, Poree und Würfeln vom gepökelten Eisbein. Da wundert es kaum mehr, dass auch zur dritten "Tafel", zu Ehren des zehnten Bundespräsidenten Christian Wulff, im Sommer 2010 erneut Eintopf serviert wurde.

Nicht nur in Deutschland gibt es etliche Eintopf-Klassiker. Rund um den Globus kennt und schätzt man Eintopf, ob regional angehaucht oder weltoffen bis exotisch nach Rezepten aus fremden Ländern. Die bekanntesten nationalen Vertreter seiner Art sind Pichelsteiner Eintopf, Hamburger National, Lübecker National, Gaisburger Marsch, Erbseneintopf und Linseneintopf. Zu den internationalen Klassikern zählen unter anderem Irish Stew (irischer Lammeintopf), Scotch Broth (schottischer Graupeneintopf), Bouillabaisse (einst traditionelles Essen französischer Fischer), Caldeirada (portugiesischer Fischeintopf), Gulasch ("Rinderhirtenfleisch", ursprünglich ein Eintopf der Magyaren), Borschtsch (osteuropäischer Rote-Bete-Eintopf) und natürlich das mexikanische Chili con Carne.

Eines gilt für alle Eintöpfe, ungeachtet ihrer Herkunft und trotz aller Wandlungen im Laufe der Zeit: Aufgewärmt schmecken sie noch mal so gut! Reichlich Anleitung und Inspiration zum Nachkochen und selber kreieren finden Sie in diesen tollen Eintopf-Rezepten der kochbar-User. Lassen Sie es sich schmecken!

Anja Otten-Reichel

 

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