Die Erdbeere - rot, rund und saftig

Erdbeeren: Ein Traum in Rot

Erdbeeren sollte man in der Saison zwischen Mai und September essen. Denn danach kommen sie meist aus Übersee und sind durch Überzüchtung fader im Geschmack als die frischen Erdbeeren aus Deutschland.

Die Erdbeere - rot, rund und saftig
Erdbeeren: Köstlich und gesund © dpa, Roland Weihrauch

Erdbeeren wachsen dicht am Boden, sind so genannte Sammelnussfrüchte und gehören, wie der Holunder, zur Familie der Rosengewächse. Die Erdbeere ist also eigentlich keine Beere. 

Ganz sicher aber gehört sie zu den Lieblingsfrüchten der Deutschen: Auf zehntausend Hektar werden hierzulande hunderttausend Tonnen Erdbeeren geerntet. Weltweit gibt es mehr als tausend Erdbeersorten und durch neue Züchtungen kommen ständig neue hinzu. Von 4000 bekannten Geschmacks- beziehungsweise Aromanuancen sind 150 dieser Komponenten in einer Erdbeere vorhanden.

Archäologen haben herausgefunden, dass es bereits in der Steinzeit Erdbeeren gab und diese auch verzehrt wurden. Im Mittelalter wurden sie sogar schon kultiviert, allerdings hatte diese Art nur kleine Früchte. Erst im 18. Jahrhundert kamen großfruchtige Arten aus Amerika nach Europa. Durch Kreuzung verschiedener wilder Arten entstand die uns bekannte Gartenerdbeere.

Wenn die Erdbeerpflanzen anfangen zu blühen, dauert es in etwa noch vier Wochen, bis reife Früchte geerntet werden können. Für die Erntehelfer heißt es: Vorsicht walten lassen! Der Pflücker führt die Blätter zur Seite, nimmt die rote Frucht und kneift den Stil mit Daumen und Zeigefinger durch, so dass der reine Pflückvorgang nicht an der Frucht passiert, sondern am Fruchtstil. Wird die Erdbeere abgerissen und nicht abgeknipst, kommt es zu einer Fruchtverletzung und die Erdbeere würde dann ziemlich schnell verderben.

Eine Frucht der Handelsklasse eins muss makellos, ohne Druckstellen, Regenschäden oder andere Fehler sein. Eine schöne rote Farbe ist wichtig und im Idealfall auch ein kleiner Stielansatz.

Nach der Ernte muss alles ganz schnell gehen, denn die Erdbeeren sind nicht nur druckempfindlich, auch der Einfluss von Licht und Wärme mindert den Vitamingehalt und den Geschmack. Daher heißt es: rasch ins kühle Dunkel! In einem Kühlraum werden die geernteten Erdbeeren versandfertig verpackt und innerhalb von ein bis zwei Stunden auf drei bis fünf Grad heruntergekühlt. Der schnelle Temperaturabfall ist wichtig, damit die Ware auf dem Weg zum Kunden kühl gehalten werden kann und somit drei bis vier Tage haltbar ist. Bereits am nächsten Tag ist die Ware dann im Supermarkt.

Für den Erdbeer-Einkauf gilt:

1. Die Früchte am besten vor dem Kauf einmal probieren.

2. Schnell und vorsichtig nach Hause transportieren.

3. Zuhause direkt kühl und trocken lagern.

Wenn Sie die Erdbeeren vernaschen oder weiterverarbeiten, sollten Sie sie vorher vorsichtig waschen. Wichtig: der Wasserstrahl sollte nicht direkt auf die Frucht treffen, sonst wird sie matschig. Anschließend das Wasser etwas mit Küchenkrepp abtupfen, aber nicht zu fest drücken oder reiben.

Was steckt in der Erdbeere?

Erdbeeren bestehen aus 85 Prozent Wasser, doch in der Frucht stecken einige verborgene Talente. Ein hoher Eisengehalt sorgt für die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte und der Farbstoff der Erdbeere hemmt sogar Enzyme, die Krebs fördern. Ein kleines medizinisches Wunder also, die kleine Frucht. Erdbeeren gehören entgegen der weitläufigen Meinung nicht zu den Beeren, sondern zu den Nussfrüchten.

Zu verdanken haben sie das den kleinen gelben Nüsschen, die man auf der Erdbeere findet. Ihre Süße bekommen sie vom Sonnenlicht. Es fördert ein Enzym in der Pflanze, das für die Entwicklung von Aroma und Süße verantwortlich ist. Erdbeeren sind also nicht nur lecker, sondern auch sehr gesund. Die Erdbeere hat sehr viel Vitamin C: mit 65 mg Vitamin C auf 100 Gramm hat sie sogar mehr als eine Zitrone. Und sie kann auch ohne Reue in großen Mengen konsumiert werden, ohne dass man auf die Figur achten muss. Denn 100 Gramm Erdbeeren haben weniger Kalorien als beispielsweise Bananen oder Weintrauben, nämlich nur 32 kcal.

Was sind die gelben Punkte?

Bei der Erdbeere sitzen die Samen außen auf der Fruchthaut. Jeder kennt diese kleinen gelben Samenkörner. Vergleichbar sind sie mit anderen Obstkernen, wie z.B. beim Apfel oder bei der Birne, nur dass die Samen der Erdbeere nicht innen im Kernhaus sitzen, sondern außen auf der Fruchthaut. Mit den Samen verbreitet sich die Frucht. Sie sind extrem hart und werden vom Menschen unverdaut ausgeschieden.

Und warum wird die Erdbeere mit Liebe und Erotik in Verbindung gebracht? Vermutlich hat das in erster Linie mit der knalligen roten Farbe der Erdbeere zu tun - rot und sinnlich wie die Liebe! Außerdem wird die reife Frucht auch als Sinnbild für eine reifende junge Frau gesehen, die prall und süß, bereit für Mutterschaft und Ehe ist.

Das verführerische rote Leuchten der Erdbeere hatte auch schon eine große Wirkung auf Literaten und Poeten, wie zum Beispiel im 15. Jahrhundert auf François Villon. In einem berühmt gewordenen erotischen Gedicht erklärt er hingebungsvoll:

"Ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund

Ich schrie mir schon die Lunge wund

Nach Deinem weißen Leib, Du Weib."

Weniger erotisch aber nicht weniger euphorisch heißt es bei August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, dem Verfasser vom "Lied der Deutschen":

"Welch Entzücken! Erdbeeren suchen

und im Schatten unter Buchen

auf den Matten Erdbeeren pflücken

Wollt's uns glücken, welch Entzücken!

Fruchtige Verführung

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