Darum werden Freilandeier knapp - das müssen Sie wissen

Die Eier von Freilandhühnern rollen am 01.02.2017 im niederrheinischen Schaephuysen (Nordrhein-Westfalen) bei Landwirt Philipp Benger über ein kleines Fließband. Seit Dezember 2016 gilt in Nordrhein-Westfalens wegen der Vogelgrippe eine Stallpflicht
Freilandhühner haben seit zwölf Wochen Stallpflicht, daher werden die Freilandeier knapp. © dpa, Roland Weihrauch, rwe kno

Eier aus Freilandbetrieben müssen als Bodenhaltungseier gekennzeichnet werden

Wer sich bewusst ernährt, hat sich an den Blick auf dem Stempel, der die Eier kennzeichnet gewöhnt. Beginnt der Stempel-Code mit einer 0, hält der Verbraucher ein Bio-Ei in der Hand. Eine 1 steht für Freilandhaltung. Eier, die mit einer 2 gekennzeichnet sind, stammen von Hühnern, die keinen Freilauf hatten. Doch Freilandeier werden in Deutschland knapp.

Seit zwölf Wochen gilt wegen der Vogelgrippe die Stallpflicht. Nun greift eine EU-Regelung: Freilandbetriebe müssen ihre Eier als Bodenhaltungseier kennzeichnen. Denn die Hühner durften seit drei Monaten nicht mehr ins Freie. Um die Kennzeichnungspflicht einzuhalten, werden Verpackungen ausgetauscht oder es wird mit Aufklebern auf die Änderung hingewiesen.

Besonders vom Ende der Zwölf-Wochen-Frist betroffen sind Hennenhalter aus Mecklenburg-Vorpommern. Dort ist der Anteil der Freilandhaltung mit 48 Prozent sehr hoch. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) appelliert an die Verbraucher, den Konsum von Eiern nicht einzuschränken: "Die Eier stammen von den gleichen Tieren, aus den gleichen Ställen, sie erhalten das gleiche Futter wie vorher auch, allein der Auslauf fehlt." Nur wenn die Betriebe auch weiterhin Eier verkaufen könnten, habe die Freilandhaltung dauerhaft eine Chance.

"Das grenzt an Verbrauchertäuschung"

Von einer kurzzeitigen Öffnung der Ställe, um einen neuen Seuchenzyklus und damit eine neue Zwölf-Wochen-Frist herbeizuführen, hält Backhaus nichts. In Baden-Württemberg habe man sich dazu entschieden. "Für mich grenzt ein solches Vorgehen an Verbrauchertäuschung", sagt der Minister.

EU-weit rechnet der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) mit 50 Millionen Freilandhennen. "Der Löwenanteil ist von der Stallpflicht betroffen", sagte ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke. Etwa 40 Millionen Hennen sind seit Wochen eingesperrt. Viele Halter von Freilandhennen sind verzweifelt. Nur Bio-Betriebe haben das Problem nicht, Bio-Eier bleiben bio.

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