5-Elemente-Küche: Die Kraft der Balance

5-Elemente-Küche: Die Kraft der Balance
In der Ernährung nach dem 5-Elemente-Prinzip werden die Lebensmittel so eingesetzt, dass sie bei zu viel Kälte oder Hitze im Körper einen Ausgleich schaffen.

Das richtige Essen kann körperliche Defizite ausgleichen

Mit Essen heilen? Das hört sich nicht nach Genuss und Schlemmen an, sondern nach Verzicht und Askese. Was gesund ist, kann nicht gut schmecken, so lautet die alte Grundregel. Und dann gibt es die unterschiedlichsten Empfehlungen, was man unter gesundem Essen zu verstehen habe. Die einen schwören auf kohlehydratarme Kost, die anderen auf Trenn- oder Rohkost. Doch nicht jeder fühlt sich beim Genuss von rohem Obst und Gemüse pudelwohl, sondern bevorzugt warmes, gekochtes Essen. Manche mögen's scharf, andere eben lieber süß oder sauer.

Genau diese Unterschiede berücksichtigt die 5-Elemente-Küche. Denn jeder Mensch hat eine andere Konstitution. Dementsprechend wirken Nahrungsmittel bei jedem Menschen unterschiedlich. In der Ernährung nach dem 5-Elemente-Prinzip werden die Lebensmittel so eingesetzt, dass sie bei zu viel Kälte oder Hitze im Körper einen Ausgleich schaffen. Jemand, der schneller friert, sollte keine kühlenden Sachen wie Joghurt und Obst zu sich nehmen und umgekehrt. Ein Zuviel an Hitze wiederum macht aggressiv. Das Ziel ist es, den Wärmehaushalt des Organismus im Gleichgewicht zu halten oder zu stabilisieren, um so Krankheiten vorzubeugen. Südfrüchte zum Beispiel haben eine hitze-ausleitende Wirkung. Deshalb sollten sie nicht im Winter gegessen werden, auch wenn man denkt, seinen Vitaminhaushalt damit auffüllen zu müssen.

Was ist die 5-Elemente-Ernährung?

5-Elemente-Küche: Die Kraft der Balance

Die Lehre von den fünf Elementen basiert auf der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die seit über 2.000 Jahren in China praktiziert wird. Demnach bilden Körper, Geist und Seele eine Einheit. Yin und Yang sind als gegensätzliche Kräfte oder Energien zu verstehen, die sich ergänzen und nicht ohne das andere existieren können, wie Körper (Yang) und Geist (Yin) oder Tag und Nacht. Damit das Qi, die Lebensenergie, ungehindert fließen kann, müssen Yin und Yang ausgeglichen sein. Ist dieser Energiefluss gestört, sind Krankheiten die Folge. Der Lebensenergie werden die fünf Elemente Holz, Feuer, Wasser, Metall und Erde zugeordnet, die bestimmte Eigenschaften haben. Dieses Prinzip kann auch auf Jahreszeiten, emotionale Zustände, Organe, Jahreszeiten und auf Lebensmittel übertragen werden.

Mit der fortschreitenden Etablierung der TCM seit Mitte des 20. Jahrhunderts in Europa ist auch die Ernährung nach den 5 Elementen immer bekannter geworden. Man muss allerdings nicht mit exotischen, schwer erhältlichen Lebensmitteln kochen, sondern kann getrost die heimischen Produkte verwenden. Es ist eher von Vorteil, wenn sie aus der Region kommen. Und qualitativ hochwertig sollten sie sein, also frisch und saisonal und keine künstlichen Aromen oder Zusätze enthalten. Am besten sind natürliche Lebensmittel von Bio-Qualität.

Bei einem ausgewogenen TCM-Menü sollten alle 5 Elemente auf dem Teller sein. Diese Elemente, also die Lebensmittel selbst, aber auch deren Farbe, Form, Textur und Verarbeitung besitzen eine bestimmte Wirkung auf den menschlichen Körper. Bei scharfem Essen schwitzt man, dem Körper wird thermische Energie zugeführt, die den Körper erwärmt (Yang). Umgekehrt kühlen thermisch kalte Lebensmittel wie frische Früchte oder Rohkost den Körper (Yin). Diese Lebensmittel können durch Kochen oder Braten eine neutrale oder wärmende Wirkung erhalten. Auch Geschmack und Form sind ausschlaggebend für die Energieart eines Lebensmittels. Eine Möhre wird mit ihrer rundlichem Form und dem süßen Geschmack dem Element Erde zugeordnet, dem außerdem die Milz als Organ zugehört. Das ständige Verlangen nach Süßem kann auf eine Schwächung des Erd-Elements sowie der Milz hindeuten und sich durch Müdigkeit und Konzentrationsschwäche bemerkbar machen. Süß schmeckende Erd-Lebensmittel wie getrocknetes Obst, Karotten oder Kartoffeln gleichen diese Schwäche aus. Das heißt jedoch nicht, dass mehr Zucker gegessen werden sollte, denn vor allem der weiße entzieht dem Körper Energie. Diese Art von Ausgleichung oder Verstärkung eines Elements nennt man Yangisieren - Verstärkung der erwärmenden Wirkung -, oder Yinisieren - Verstärkung der kühlenden Wirkung. Auch die Schneidetechnik, ob eine Karotte oder Kartoffel in Streifen (Holz) oder in Würfel (Erde) geschnitten wird, ist ausschlaggebend für die thermische Wirkung.

Sich nach der 5-Elementelehre zu ernähren, heißt nicht automatisch, auf Fleisch verzichten zu müssen. Denn bei der TCM werden keine Unterschiede zwischen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln gemacht. Viele TCM-Anhänger verzichten jedoch auf Fleisch oder ernähren sich sogar vegan. Auch bei den meisten 5-Elemente-Kochkursen stehen nur vegetarische oder vegane Lebensmittel auf dem Speiseplan. Das liegt sicherlich daran, dass bei denjenigen, die sich Gedanken über bewusste Ernährung machen, der Schritt zum fleischlosen Leben nicht groß ist - vor allem angesichts Massentierhaltung und Fleischskandalen. Vegetarier sollten den Kochtopf jedoch öfter benutzen, denn die alternativen Eiweißquellen wie Tofu und Soja besitzen eine kühlende Wirkung. Rohkost sollte man generell wenig zu sich nehmen, denn für deren Verdauung muss der Körper mehr Energie aufbringen. Sogar schon zum Frühstück etwas Warmes, Gekochtes zu essen wie etwa ein süßer Hirsebrei mit gekochtem Obst, Mandeln und Zimt soll dem Wohlbefinden dienen und Energie für den ganzen Tag bringen. Das Frühstück nimmt einen wichtigen Platz in der 5-Elemente-Küche ein, denn auch die Tageszeiten können dem 5-Elemente-Prinzip zugeordnet werden. Magen und Milz (Erde) sind morgens besonders aktiv und können Nahrung besonders gut verwerten.

Auf den ersten Blick erscheint es kompliziert und aufwändig, sich nach den 5 Elementen zu ernähren. Man muss jedoch nicht zum Guru werden, um diese Regeln in seine Küche und seinen Alltag einzubauen. Sicherlich bedarf es zunächst einiger Beschäftigung mit dem Thema. Kochkurse und -bücher mit vielfältigen Rezepten für jeden Tag oder für besondere Anlässe gibt es mittlerweile einige, anhand derer der interessierte Neuling sich einen detaillierteren Eindruck verschaffen kann. Auch im Internet wird man fündig und findet Gleichgesinnte, um sich auszutauschen. Ganz Ambitionierte können sich eine umfassende 5-Elemente-Ernährungsberatung gönnen. Das Tolle an dieser Ernährung ist: Die 5-Elemente-Küche ist vielseitig und abwechslungsreich. Und es ist für jeden dabei, ob Fleischliebhaber oder Vegetarier, für die einfache Küche oder den Hobby-Koch mit Gourmet-Ambitionen. Von Verzicht und Askese also keine Spur.

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