Weitere Substanz in Bier krebserregend: Ist Hopfen und Malz verloren?

Muss ich jetzt auf mein Feierabend-Bier verzichten?
Muss ich jetzt auf mein Feierabend-Bier verzichten? Pestizide in Bier gefunden 00:01:26
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Glyphosat im Bier: Die wahre Gefahr lauert woanders

Ein Skandal erschüttert die Biertrinker-Republik Deutschland: In 14 sehr beliebten deutschen Biersorten wurde in geringen Mengen das Pestizid Glyphosat nachgewiesen - und das auch in anderen Belangen zurecht höchst umstrittene Glyphosat steht für die WHO offiziell im Verdacht, Krebs erregend zu sein. Doch die wahre Gefahr lauert ganz woanders.

Glyphosat im Bier
Können Bierliebhaber in Deutschland sich noch ihres Gerstensaftes erfreuen? © dpa, Marius Becker

Von Ingo Jacobs

Glyphosatrückstände in Bier waren grundsätzlich erwartbar - denn schließlich ist Glyphosat zwar ein höchst umstrittener, aber dennoch zugelassener Pflanzenschutzmittelwirkstoff. Selbst die höchsten Werte von rund 30 Mikrogramm pro Liter sind aber laut Bundesinstitut für Risikobewertung wohl so niedrig, dass die "rechnerisch resultierende Aufnahmemenge bei einem Erwachsenen mehr als 1000-fach niedriger liegen würde als die derzeit als unbedenklich geltenden Aufnahmemengen". Mit anderen Worten: "Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1.000 Liter Bier trinken."

Doch für viele Menschen, wie zum Beispiel Marike Kolossa, Leiterin des Fachgebiets gesundheitsbezogene Umweltbeobachtung im Umweltbundesamt, reicht - verständlicherweise - der Verdacht bereits aus. Sie erklärte: Da nach wie vor zwischen Experten nicht abschließend geklärt sei, ob Glyphosat Krebs beim Menschen erregen könne, sei eine Belastung des Menschen "nicht wünschenswert."

Eine weitere Substanz in Bier ist wesentlich gefährlicher

Was viele Bier-Konsumenten sicherlich wissen, aber in dieser Diskussion auf geradezu wundersame Weise ausgeblendet wird: Die Wissenschaft hat schon seit längerem eine Substanz im Bier identifiziert, die als ganz sicher krebserregend und gesundheitsschädigend gilt. Die Rede ist von: Alkohol.

Die WHO lässt hier keinen Zweifel zu: "Wir wissen, dass Alkohol Krebs und Bluthochdruck verursacht", hält die Organisation auf ihrer Internetseite fest. Zahlreiche Studien haben das schon belegt. Und - leider - gibt es für die WHO auch kein unbedenkliches Maß für den Alkoholkonsum.

Denn auch wenn zahlreiche Experten davon ausgehen, dass rund die Hälfte der alkoholbedingten Krebserkrankungen und Krebstodesfälle vermieden werden könnten, wenn Alkohol in den empfohlenen Maßen getrunken würde, wird von der WHO keine Obergrenze für Alkoholkosum gesetzt. Als wissenschaftlich belegt gilt, dass "ein vollständiger Verzicht auf Alkohol aus gesundheitlicher Sicht bei weitem am besten ist."

Was bleibt den hierzulande zahlreich vorhandenen Freunden des Gerstensaftes, auch den maßvollen, denn jetzt überhaupt noch übrig - wenn selbst die altgriechische Regel, dass ein Gift immer nur eine Frage der Menge sei, hier nicht mehr gilt? Nur noch Gelassenheit angesichts von Diskussionen, in denen jedes Maß verloren scheint, und die gleiche Gelassenheit angesichts der eigenen Vergänglichkeit. In diesem Sinne: Prost!