Putenfleisch aus Discountern mit Krankheitskeimen belastet

Neun von zehn Putenfleisch-Proben enthielten Keime

Zuletzt ließ eine Meldung von PETA aufhorchen: Die Tierrechtsorganisation wies im Dezember 2014 in 65 Prozent der untersuchten Fleischproben von namhaften Handelsketten wie Aldi Süd, Edeka und Rewe antibiotikaresistente Keime nach. Nun legt der ‚Bund für Umwelt und Naturschutz‘ (BUND) nach: Der Verband hat in 88 Prozent der Putenfleisch-Proben, die er bei Discountern gekauft hat, antibiotikaresistente Keime gefunden. In den Laboruntersuchungen der Fleischproben von Netto, Lidl, Aldi, Real und Penny wurden sowohl MRSA- als auch ESBL-bildende Keime nachgewiesen.

"Rund neun von zehn Putenfleisch-Proben aus deutschen Discountern sind unseren Tests zufolge mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Das ist ein klares Zeichen für fortgesetzten Antibiotika-Missbrauch in der Geflügelmast“, fasst BUND-Vorsitzender Hubert Weiger zusammen. Dieser Antibiotika-Missbrauch sei mitverantwortlich dafür, dass wichtige Medikamente ihre lebensrettende Wirkung verlieren.

Der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung ist Gang und Gäbe, so auch in der Putenzucht. Mehr als 90 Prozent der Puten erhalten laut BUND Antibiotika. Dadurch soll verhindert werden, dass die Tiere krank werden und sich gegenseitig anstecken. Der Nachteil: Durch den großflächigen Einsatz von Antibiotika in der Putenmast wird die Entwicklung von Resistenzen begünstigt. Und diese antibiotikaresistenten Keime werden über das Fleisch an die Verbraucher weitergegeben. Mit der Gefahr, dass immer mehr Menschen Resistenzen entwickeln und Antibiotika mit der Zeit wirkungslos werden.

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Antibiotikaresistenzen erschweren Behandlung von Krankheiten

Während Extended Spectrum Beta-Lactase- (ESBL)-produzierende Keime die Antibiotikaresistenz erhöhen und damit die Behandlung von Krankheiten erschweren, können MRSA-Keime selbst Infektionen auslösen. Nach Schätzungen der deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene sterben jährlich etwa 40.000 Menschen, weil Antibiotika bei ihnen nicht mehr anschlagen.

Nach Aussage von BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning sei kein einziger der getesteten Putenfleisch-Lieferanten in der Lage gewesen, Ware anzubieten, die durchgängig nicht mit Antibiotikaresistenzen belastet gewesen sei. „Sämtliche Schlachthofkonzerne und Zerlegebetriebe, die das von uns getestete Putenfleisch an die Discounter geliefert haben, gehören dem von der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft eingerichteten Qualitätssicherungssystem QS an. Und trotzdem ist das Fleisch massiv mit antibiotikaresistenten Keimen belastet“, so Benning. Der BUND fordert daher Änderungen im Tierschutz- und Arzneimittelrecht, um die Schwächen des Qualitätssicherungssystems (QS) auszumerzen.

(Quelle: BUND)

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