Lebensmittellügen: Die 10 größten Werbetricks

So werden wir beim Lebensmittelkauf getäuscht
So werden wir beim Lebensmittelkauf getäuscht Verbraucherzentrale deckt Tricks auf 00:01:52
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Werbetricks und Täuschungsmanöver: Augen auf beim Lebensmittelkauf

Ob Schweinefleisch in der Lammsalami oder Alpenmilch aus Norddeutschland – Täuschungsmanöver scheinen in der Lebensmittelindustrie an der Tagesordnung zu sein. So verwundert es nicht, dass laut aktueller Umfrage 72 Prozent der Verbraucher den Versprechen der Lebensmittelhersteller misstrauen. Im Ratgeber „Lebensmittellügen“ enthüllen die Verbraucherzentralen nun die zehn größten Tricks, mit denen wir beim Einkauf hinters Licht geführt werden.

Lebensmittellügen: Die 10 größten Werbetricks
Lose Ware wie Brot und Brötchen müssen nicht gekennzeichnet werden. Wer wissen will, was drin ist, muss nachfragen. © Stefan Gräf - Fotolia

Das sind die häufigsten Täuschungen und Werbetricks bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln:

1. Produktnamen versprechen mehr, als das Produkt hält

Eine Bezeichnung wie „Crispy Chicken“ klingt nach krossem, knusprigem Hühnerfleisch und lässt vielen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Dass es sich bei dem Produkt laut Verkehrsbezeichnung um zusammengefügtes und paniertes Hähnchenbrustfleisch handelt, steht allenfalls auf der Rückseite der Verpackung. Die Verbraucherschützer empfehlen, jedes Wort in der Verkehrsbezeichnung ernst zu nehmen. So bedeutet Himbeergeschmack in der Regel, dass das entsprechende Produkt nur Himbeeraroma anstelle von Himbeeren enthält.

2. Tricks bei Tierarten-Kennzeichnung

Wer eine Wildpastete kauft oder viel Geld für eine Lamm-Salami bezahlt, kann erwarten, dass das entsprechende Fleisch auch den Hauptanteil des Produkts ausmacht. Doch dem ist nicht so. Oft enthalten diese Fleischprodukte mehr Schwein oder Rind als beispielsweise Lamm. Tipp: Ein Blick auf die Zutatenliste sorgt für Durchblick. Die Zutat, die als erstes genannt wird, macht den Hauptanteil des entsprechenden Lebensmittels aus.

3. Tricks bei der Produkt-Abbildung

Frische, knackige und saftige Früchte auf der Verpackung machen Appetit und verleiten dazu, das Produkt zu kaufen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die abgebildeten Früchte oder sonstigen hochwertigen Zutaten auch tatsächlich enthalten sind. Oft handelt es sich nämlich lediglich um einen Serviervorschlag für das Produkt. Das muss allerdings unter der Abbildung stehen.

Alkohol in Salatdressing und überdimensionale Verpackungen - so werden wir getäuscht

4. Alkohol in Lebensmitteln, in denen man ihn nicht vermutet

Wer an leckere Erdbeermarmelade denkt, denkt gleichzeitig beispielsweise an frische Brötchen, aber wohl kaum an Alkohol. Gleiches gilt für Salatdressing oder Lachsfilet in Soße. Das ist nicht nur für Kinder gefährlich, sondern beispielsweise auch für ehemalige Alkoholabhängige, bei denen selbst kleinste Mengen Alkohol zu einem Rückfall führen können. Lesen Sie daher immer die Zutatenliste, sofern es sich um verpackte Produkte handelt: Dort müssen alkoholhaltige Zutaten aufgelistet sein. Manchmal verstecken sich sehr geringe Alkoholmengen hinter Bezeichnungen wie „Trägerstoffe“ oder „Lösungsmittel für Aromen“. So kann sich auch hinter „Aroma“ Alkohol verbergen. Im Zweifel hilft nur die Nachfrage beim Hersteller. Gleiches gilt für lose Ware.

5. Werbung mit der Herkunft

Wer regional oder Heimat hört, assoziiert damit meist gesunde Lebensmittel von saftigen Wiesen und glücklichen Tieren. Das wissen auch die Hersteller und bewerben ihre Produkte gerne mit „aus der Region“ oder ähnlichem. Allerdings sind die Begriffe Region, regional und Herkunft nicht geschützt. Die Lebensmittelhersteller haben also freie Hand, nach Belieben mit diesen zu werben. Allerdings muss es sich nicht immer um eine Täuschung handeln. Finden sie auf der Verpackung weitere nachvollziehbare Erklärungen zur Herkunft, sollten Sie davon ausgehen können, dass das Produkt tatsächlich aus ihrer Region kommt. Fehlen solche Infos, handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein leeres Versprechen.

6. Werbung mit der Zubereitungsart wie „traditionell“ oder „nach Hausfrauenart“

Die meisten Menschen stehen Konservierungs- und sonstigen Zusatzstoffen wie Geschmacksverstärkern oder Farbstoffen kritisch gegenüber. Umso besser und gesünder klingen Werbeversprechen wie traditionell oder nach Hausfrauenart hergestellt. Letztlich sind aber auch diese Bezeichnungen rechtlich nicht geschützt. Auch hier gilt: Lesen Sie die Zutatenliste und seien Sie kritisch.

7. Werbung mit gesundheitsfördernder Wirkung

Lebensmittel, die mit „fettfrei“ oder „unterstützt das Immunsystem“ beworben werden, sollten Sie ebenfalls kritisch unter die Lupe nehmen. So enthält Weingummi beispielsweise tatsächlich kein Fett, dafür jedoch große Mengen an Zucker. Für die Bezeichnung „frei von“ fehlen klare Kennzeichnungsvorschriften. Oft wird eine natürlich in dem Lebensmittel vorkommende Zutat - wie zum Beispiel Kalzium in Milch – als Besonderheit hervorgehoben. Ein Blick auf die Nährwerttabelle lohnt.

8. Fehlende Zutatenliste

Auf manchen Verpackungen ist die Zutatenliste so klein, dass sie kaum zu lesen ist. Bei sehr kleinen Verpackungen dürfen Hersteller auf diese Liste verzichten. Das gilt auch für einige Milch- und Käseprodukte sowie für Getränke, die mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol enthalten – außer Bier. Die Verbrauchzentralen empfehlen, sich damit nicht abspeisen zu lassen. Sie haben ein Recht darauf zu erfahren, was in den Lebensmitteln steckt, die Sie essen. Beschweren Sie sich also beim Hersteller.

9. Mogelpackungen: Mehr Luft als Inhalt

Nicht selten öffnet man einen große Cornflakes-Packung oder eine Chipstüte um festzustellen, dass diese mehr Luft als Produkt enthalten. Übergroße Verpackungen, doppelte Böden oder sehr viel Luft sind nämlich nicht grundsätzlich verboten. Und das Verhältnis von Verpackung und Inhalt ist nicht gesetzlich geregelt. Orientieren Sie sich also im Zweifel eher an der Mengen- bzw. Gramm-Angabe.

10. Lose Ware oft nicht gekennzeichnet

Wer frisches Brot vom Bäcker oder Wurst vom Metzer um die Ecke bevorzugt, kennt das Problem: die Ware ist oft nicht gekennzeichnet. Die gesetzliche Regelung zur Kennzeichnung von loser Ware ist sehr lückenhaft. Fragen Sie am besten bei den Verkäufern nach, wenn Sie Fragen zu Inhaltsstoffen haben oder mehr über die Herstellung oder Herkunft der Erzeugnisse wissen möchten.

Quelle: Auszug aus „Lebensmittel-Lügen – Wie die Food-Branche trickst und tarnt“, Verbraucherzentrale, 1. Auflage 2013