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Von wegen "veg": Versteckte tierische Zutaten in Lebensmitteln

Vegetarier und Veganer essen aus Überzeugung oder aus Gesundheitsgründen kein Fleisch oder keine tierischen Produkte. Deswegen müssen sie bei jedem Einkauf die Zutatenliste der Produkte studieren, denn auf den ersten Blick ist oft nicht ersichtlich, ob die Lebensmittel tierische Bestandteile enthalten. Diese Vorgehensweise gewährleistet aber noch lange nicht, dass tatsächlich nur vegane oder vegetarische Lebensmittel im Einkaufswagen landen. Denn die Begriffe "vegetarisch" und "vegan" sind lebensmittelrechtlich nicht definiert. So müssen bei Zusatzstoffen, Aromen und sogenannten technischen Hilfsmitteln tierische Bestandteile nicht ausdrücklich gekennzeichnet werden. Diese Gesetzeslücke ermöglicht es, dass sich dann schon mal Gelatine im Saft oder Anteile von Fisch und Fleisch in Chips verstecken, ohne dass diese in der Zutatenliste aufgeführt sind.

 

Die Lebensmittelindustrie setzt z.B. Gelatine aus Fisch oder Fleisch als Verdickungsmittel im Frischkäse ein oder als Trägerstoffe für Vitamine, die Säften zugesetzt werden. Auch bei scheinbar vegetarischen Kartoffelchips vermutet der Verbraucher nicht, dass sich hinter den Aromen Tierbestandteile wie Geflügel oder Wildfleisch verbergen. Sicherlich denkt beim Einkauf auch niemand an Schweineborsten, wenn auf der Brotverpackung L-Cystein zu lesen ist. Diese Aminosäure wird zumeist aus Schweineborsten oder Federn hergestellt und wird von der Brotindustrie als Hilfsmittel verwendet, um die Verarbeitungseigenschaften von Teig zu verbessern.

Manche tierische Bestandteile können aber auch durch Verunreinigung in als "vegan" oder "vegetarisch" gekennzeichnete Produkte geraten. So kann eine vegane Schokolade Spuren von Milchbestandteilen aufweisen, wenn sie auf derselben Produktionsfläche hergestellt wird, auf der zuvor tierische Produkte verarbeitet worden sind.

 

VIDEO: foodwatch schlägt Alarm!

"Zumutung für Vegetarier und Veganer"

Vor allem Vegetarier und Veganer, aber auch Muslime, die aus religiösen Gründen Produkte vom Schwein ablehnen, fühlen sich durch diese Regelungen betrogen. "Der Gesetzgeber macht es den Verbrauchern nahezu unmöglich, Tierprodukte in Lebensmitteln zu meiden", sagt Oliver Huizinga von 'foodwatch'. "Das ist eine Zumutung für Vegetarier und Veganer, aber auch für alle anderen Verbraucher, die gerade bei tierischen Lebensmitteln bewusste Kaufentscheidungen treffen, den Konsum reduzieren wollen oder nur bestimmte Formen der Tierhaltung unterstützen möchten."

Und genau das prangert 'foodwatch' an. Die Verbraucherorganisation fordert, dass deutlich erkennbar sein muss, wenn Lebensmittel Zutaten oder Verarbeitungshilfsstoffe tierischen Ursprungs enthalten. 'foodwatch' hat nun zu einer E-Mailaktion aufgerufen, die sich an Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) und die Verbraucherschutzminister der Bundesländer richtet. Die Organisation fordert eine Kennzeichnungspflicht für alle versteckten Tierprodukte und Tierbestandteile. Nur mit einer solchen Kennzeichnungspflicht sind bewusste Kaufentscheidungen möglich.

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