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Was steckt eigentlich hinter "Fair Trade"?

Nachdem sich Bio-Lebensmittel in den Supermarktregalen stetig wachsender Beliebtheit erfreuen, können nun auch „Fairtrade“-Produkte ein dickes Plus verzeichnen. Was lange als klischeebehafteter Artikel irgendwo zwischen Bongo-Trommeln und Hanfkleidung bekannt war, beginnt langsam sein angestaubtes Image abzulegen. Schlagwörter wie „Fair“ und „Öko“ sind in und gehören in das Repertoire des bewusst lebenden, politischen Menschen. Aber was steckt hinter dem Begriff, der übersetzt „gerechter Handel“ bedeutet?

 

Das „Fairtrade“-Siegel in den Farben schwarz, blau und grün dürfte jedem schon mal in Verbindung mit Kaffee oder Schokolade begegnet sein. Gemein ist diesen Produkten, dass die Rohstoffe zu ihrer Herstellung von Plantagen aus südlichen Ländern kommen. Kakao- und Kaffeebohnen werden meist aus Staaten wie Costa Rica, Kolumbien, Ghana oder Indien importiert. Im Supermarkt angekommen geht so ein 500g-Päckchen Kaffee dann für rund 5 bis 6 Euro über die Ladentheke. Wer sich für den Fairtrade-Kaffee entscheidet, der zahlt häufig etwas mehr. Doch was macht hier eigentlich den Unterschied?

Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen

 Bauern in Afrika, Lateinamerika oder Asien sind oft Opfer schwankender Weltmarktpreise und ausbeuterischer Handelsbeziehungen. Verdienen sie weniger als den Mindestlohn, führt dies häufig zu Armut und Verschuldung. Ziel der Organisation Fairtrade ist es deshalb, den Landwirten der Erzeugungsländer ein gesichertes Einkommen zu garantieren, dass unabhängig vom Welthandel ist. Arbeiter auf den Plantagen sollen gerecht bezahlt und die Bauern und ihre Familien durch Prämien unterstützt werden. Der Preis, den die Organisation an die Bauern zahlt, wird auf die Produkte wie Tee, Gewürze oder Wein umgeschlagen.

 

Verantwortlich für dieses Vorhaben ist der Dachverband Fairtrade International (FLO e.V.). Die Nichtregierungsorganisation steht für all das, was hinter dem Begriff „Fairtrade“ steckt. Sie entwickelt die einzuhaltenden Standards und hilft Produzenten die Voraussetzungen für ein zertifiziertes Produkt zu erfüllen.  Zusätzlich wirft sie auch ein Auge auf die Arbeitsbedingungen. So setzen sie sich beispielsweise gegen Kinder- und Zwangsarbeit ein. Außerdem werden Gemeinschaftsprojekte wie der Bau von Brunnen unterstützt und langfristige Handelsbeziehungen aufgebaut.

Wäre noch die Frage nach dem Logo, das für die Prinzipien des Verbands einsteht. Der gemeinnützige Verein TransFair untersteht der FLO e.V., schließt Lizenzverträge mit den Bauern ab und kümmert sich um die Zuweisung von Fairtrade-Siegel für Erzeugnisse, die die Vorgaben einhalten. Ob ein Plantagenbesitzer sich an die Standards hält, soll durch regelmäßige Überprüfungen durch eigens eingesetzte Inspekteure garantiert werden.

 

Wenn also ein Bananenplantagenbesitzer in Panama Handelspartner von TransFair wird, prüfen diese die Anbaubedingungen und helfen dem Bauern bei der Umstellung. Dann kann er seine Ernte mit dem Symbol kennzeichnen. Die Banane wird nun zu einem „fairen“ - also marktunabhängigen - Preis verkauft und der Landwirt erhält ein verlässliches Einkommen. 

Keine Transparenz und unklare Preisgestaltung

Soweit die Theorie, aber wie sieht es in der Praxis aus? Das Siegel, welches für die Leitlinien der FLO e.V.  einstehen soll und deshalb dem Verbraucher einen höheren Kaufpreis wert sein sollte, steht häufig in der Kritik. Dabei wird vor allem die fehlende Transparenz des Siegels beklagt. Dem Endverbraucher sei laut Kritikern nicht klar, wie sich der erhöhte Preis der Produkte zusammensetzt und wer genau einen Anteil daran hat. Tatsächlich hat auch Fairtrade International am Ende keinen Einfluss darauf, zu welchem Preis ein Artikel im Laden verkauft wird. Letztlich liegt die Preisgestaltung bei den einzelnen Warenhäusern selbst.

Außerdem ist für den Käufer nicht immer eindeutig, wofür das Logo mit dem stilisierten Bauern steht. Obwohl viele der Fairtrade-Erzeugnisse auch die Voraussetzungen für ein Bio-Produkt erfüllen – besonders deshalb, weil Bauern für ökologische Landwirtschaft Prämien bekommen -, ist nicht jedes dieser Produkte auch automatisch ein Kandidat für das EU-Bio-Logo. Ein solches sollte sich zusätzlich auf der Verpackung befinden, wenn man sicher gehen will, dass es sich außerdem um ein ökologisches Erzeugnis handelt.

„Fairtrade“ ist zudem kein geschützter Name. Neben Fairtrade International gibt es zahlreiche andere Organisationen, die Produkte als fair gehandelte Ware verkaufen. Fraglich ist jedoch, inwiefern diese Güter bestimmten Standards unterliegen und ob die Einhaltung dieser kontrolliert wird.

 

2011 kauften deutsche Verbraucher Fairtrade-zertifizierte Produkte im Wert von rund fünf Milliarden Euro, was einen Anstieg von etwa 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Waren mit einem Fairtrade-Siegel sind nicht länger nur im Weltladen oder Reformhaus erhältlich, selbst der Bund Rosen an der Discounter-Kasse ist „fair“.

 

Ob der Run auf derlei Produkte auch das Zeug dazu hat mehr als nur ein Trend zu sein, bleibt abzuwarten. Schön wäre jedenfalls, wenn der andauernde Aufwind der Bio- und Fairtrade-Produkte zumindest eines bewirkt: dass wir uns mehr Gedanken über die Artikel machen, die in unserem Einkaufswagen landen.

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