Insektenburger: Start-up kreiert 'Bux-Burger' - das Fastfood der Zukunft?

Sieht so die Ernährung der Zukunft aus?
Sieht so die Ernährung der Zukunft aus? Insekten gewinnen als Proteinlieferanten an Bedeutung 00:02:43
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Insektenburger "schmeckt wie Falafel"

Burger sind angesagt wie nie: Immer mehr Läden und Ketten machen den klassischen Fastfood-Restaurants wie McDonald’s und Burger King Konkurrenz. Längst sind die Patties nicht mehr nur aus Fleisch. Stattdessen stecken Gemüse-, Pilz-, Nuss- oder Fischpatties zwischen den beiden Buns, wie die Brötchenhälften im Fachjargon heißen. Das Start-up ‚Bugfoundation‘ aus Osnabrück möchte die Burger-Landschaft nun um einen Insektenburger bereichern. Hauptbestandteil des ‚Bux-Burgers‘ sind gemahlene Buffalowürmer.

Aussehen tut der Burger völlig normal: Eine Brötchenhälfte oben und unten, Salat, und in der Mitte ein Patty. Aber statt aus Rindfleisch ist der Belag aus pflanzlichen Bestandteilen - und eben aus Insekten. Bei dem für den Burger verwendeten Buffalowurm handelt es sich um die Larve des Getreideschimmelkäfers. Doch wie kann man sich den Geschmack vorstellen? „Schmeckt wie Falafel“, erklärt Jungunternehmer Max Krämer. Bei einem Thailand-Aufenthalt vor einigen Jahren habe er zum ersten Mal Insekten gegessen, erzählt Krämer. „Ich habe in meiner Bachelor-Arbeit darüber geschrieben und bin dabei auf sehr viele Vorurteile über Insekten als Nahrungsmittel gestoßen.“ In Afrika, Asien, Australien - auf all diesen Kontinenten gehören Insekten zur täglichen Nahrung von zwei Milliarden Menschen, wie die Welternährungsagentur der Vereinten Nationen (FAO) feststellte. Im Westen sind gegrillte, frittierte oder gedünstete Grillen, Maden, Würmer oder Ameisen bislang eher ein witziger oder skurriler Hingucker. Dabei ist es durchaus sinnvoll, dass Insekten auch in Europa stärker in den Fokus der Lebensmittelindustrie rücken.

Insekten-Protein ist günstig und gesund

„Der wichtigste Vorteil ist, dass Insekten gut schmecken“, sagt Krämer. Es gebe rund 2000 Arten, die als essbar gelten und schmackhaft seien. Und nicht nur das: Insekten sind laut FAO gesund und nahrhaft, reich an Proteinen und gesunden Fetten, besitzen viel Kalzium, Eisen und Zink. Ihre Aufzucht ist deutlich weniger klimaschädlich als die der meisten anderen Tiere, sie belastet das Grundwasser weniger. Und sie sind effizienter: Um dieselbe Menge an Proteinen zu erzeugen, benötigen Grashüpfer zwölfmal weniger Futter als Rinder und halb so viel Futter wie Schweine oder Hähnchen. Mit einem Wort: Nahrungsmittel aus Insekten sind umweltfreundlicher als tierische Produkte. Gesünder seien sie ohnehin, sagt Krämer. „Die Proteine werden sehr gut vom Körper aufgenommen.“ Anders als Rind- und Schweinefleisch enthalten sie kaum gesättigte Fettsäuren, die für viele Zivilisationskrankheiten mit ursächlich sind, und sind reich an Vitamin B12, wie Krämer sagt.

Angesichts der zahlreichen Vorteile von Insekten für die menschliche Ernährung stellt sich die Frage: Warum essen wir in Deutschland und Europa nicht längst Lebensmittel auf Insekten-Basis? Die Antwort ist profan: Es ist nicht erlaubt. Genauer gesagt: Zwar ist das Essen ganzer Insekten in der Europäischen Union erlaubt, nicht aber der Genuss von verarbeiteten Insekten. Gemahlene und zu Burger-Klopsen verarbeitete Insekten gelten als neuartige Lebensmittel – und für dieses sogenannte ‚Novel Food‘ gilt eine spezielle Verordnung. „Es ist ein neues Nahrungsmittel, und das muss erst auf seine Verträglichkeit getestet werden“, sagt Sergiy Smetana, Doktorand beim Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) in Quakenbrück. Viel Forschung sei noch nötig, weil nicht jedes Insekt für die menschliche Nahrungsaufnahme geeignet sei.

Die Konsequenz ist, dass der Verkauf der «Bux Burger» in Europa im Moment verboten ist. Allerdings sei die entsprechende Verordnung der EU zum 1. Januar geändert worden. „Wir müssen nun intensive Forschung treiben und beweisen, dass unsere Burger nicht gefährlich sind“, sagt Baris Özel. Mit Partnern aus Belgien, Holland und Deutschland sollen in den nächsten zwei Jahren Forschungsergebnisse gesammelt werden. Allerdings gibt es schon zwei Restaurants in Belgien, die die Burger anbieten - offenbar sind die Gesundheitsbehörden in Belgien nicht so streng wie die deutschen. Die Nachfrage sei zwar noch nicht hoch, aber diejenigen, die ihn essen, gäben ein gutes Feedback, sagt Özel. „Der Burger wird pro Tag mindestens zweimal gekauft, und er wird aufgegessen.“

Bis Ende 2016 will das Start-up 30 bis 40 Restaurants in Belgien beliefern. Auf eine Feststellung legen die beiden Jungunternehmer Wert: Das Ziel sei nicht, Fleisch vom Markt zu verdrängen. „Eines unserer Ziele ist es, eine weitere Kategorie neben Fleisch, Fisch oder der vegetarischen Ernährung aufzustellen“, sagt Krämer. Vielfalt statt Verdrängung lautet also die Devise. In einer Welt, die täglich mehr und mehr (zusammen)wächst, mit Sicherheit eine zukunftsträchtige Idee.

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