Acrylamid: EU beschließt neue Vorgaben - schmecken Pommes bald anders?

Gefährliches Acrylamid in Pommes und Co
Gefährliches Acrylamid in Pommes und Co So schützen Sie sich 00:00:59
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Verbraucher sollen besser vor dem krebsverdächtigen Stoff geschützt werden

Er steckt in Pommes frites, Chips, Keksen und Kaffee. Er steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Doch kaum einer kennt diesen Stoff: Acrylamid. Er entsteht beim Frittieren, Rösten und Backen von stärkehaltigen Lebensmitteln. Nun hat die EU-Kommission neue Vorgaben für Pommes-Buden und Restaurants beschlossen. Damit sollen Verbraucher besser vor dem gefährlichen Stoff geschützt werden. Was bedeutet das nun für die Pommes?

Was will die EU-Kommission?

Die Brüsseler Behörde gibt professionellen Nahrungsmittelherstellern nun genau vor, wie zum Beispiel Kartoffeln oder Mehl verarbeitet werden sollen. So will die Kommission unter anderem, dass Kartoffelsorten mit wenig Stärke verarbeitet werden. Außerden sollen Kartoffeln eingeweicht oder blanchiert werden, bevor sie frittiert werden, damit die Stärke ausgewaschen wird. Auch soll bei möglichst niedrigen Temperaturen frittiert und Fritten oder Brot nur so stark gebräunt werden, wie eben nötig.

Wann kommen die neuen Regeln?

Nach der Zustimmung des 'Ständigen Ausschusses' folgt jetzt eine dreimonatige Frist, in der Mitgliedsländer oder das Europaparlament Einspruch erheben könnten. Danach muss die EU-Kommission ihren eigenen Entwurf noch formal absegnen und veröffentlichen. Im Frühjahr 2019 soll er in Kraft treten.  

Restaurantbranche wehrt sich - Gesundheitsexperten begrüßen die Maßnahmen

Die Gastronomie befürchtet großen Mehraufwand und wehrt sich gegen die Auflagen. Gesundheitsexperten mahnen jedoch, die Aufnahme von Acrylamid so weit wie möglich zu verringern. Der europäische Verbraucherverband BEUC vermisst dagegen "rechtlich verbindliche Obergrenzen" für Acrylamid. Die vorgeschlagenen Maßnahmen reichten wahrscheinlich nicht aus, um die "Werte dieses schädlichen Inhaltsstoffs im Essen" zu senken, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands.

Werden Pommes dann teurer?

Davon ist noch keine Rede. "Die Frage des Aufwandes geht nicht damit einher, ob die Preise erhöht werden", sagt der Sprecher des Deutsche Hotel- und Gaststättenverbands Christopher Lück.

Das können Sie tun, um weniger Acrylamid aufzunehmen

Auch wenn die neuen Vorgaben für die Gastronomie gelten: Acrylamid ist kein künstlicher Stoff, der von Außen zugesetzt wird, sondern kann auch zu Hause entstehen. Und auch, wer keine Fritten von der Pommes-Bude isst, kann daher zu viel des schädlichen Stoffes zu sich nehmen. Denn Acrylamid entsteht, wenn stärkehaltige Lebensmittel stark erhitzt werden. Also zum Beispiel beim Frittieren von Kartoffeln oder beim Backen. Beim Kochen oder Dampfgaren bildet sich kein Acrylamid. 

Sie haben es also selbst in der Hand. Die goldene Regel, um weniger Acrylamid aufzunehmen, lautet: "Vergolden statt verkohlen."

Braten Sie Kartoffeln oder Pfannkuchen bei mittleren Temperaturen. Achten Sie dabei darauf, dass sie nicht zu dunkel werden. Denn je dunkler sie werden, umso mehr Acrylamid enthalten sie. Bratkartoffeln enthalten übrigens weniger Acrylamid, wenn sie aus gekochten Kartoffeln zubereitet werden. 

Beim Backen entsteht weniger Acrylamid, wenn Sie mit Umluft höchstens 180 Grad und ohne Umluft höchstens 200 Grad einstellen. Backen Sie Plätzchen und Pommes so lang wie nötig und so kurz wie möglich. Legen Sie die Backofen-Pommes auf Backpapier! 

Beim Frittieren sollte die Temperatur 175 Grad nicht überschreiten. Frittieren Sie Pommes nur in kleinen Portionen. Etwa 100 Gramm pro ein Liter Öl. Dicke Pommes sind generell acrylamidärmer. Denn der Stoff bildet sich nur an den Randschichten.

Und zur Frage, ob Pommes nun anders schmecken werden: Vermutlich nicht. Es sei denn, Sie haben sie vorher gern verbrannt und staubtrocken gegessen.